Verschuldeter Autozulieferer Conti verzeichnet Milliardenverlust
Hannover - 1,12 Milliarden Euro Verlust hat Conti im vergangenen Jahr gemacht. Das teilte der Reifenhersteller am Donnerstag in Hannover mit. Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 1,02 Milliarden erwirtschaftet.
Reifenherstellung bei Conti: Hohes Minus durch Schuldenabbau
Foto: DPADas negative Konzernergebnis gehe vor allem auf Abschreibungen in Höhe von 1,23 Milliarden Euro in zwei Zuliefersparten des Unternehmens zurück, sagte Conti-Chef Karl-Thomas Neumann am Donnerstag bei der Bilanz-Pressekonferenz.
Verluste entstanden dem Konzern zudem durch Schuldenabbau im Zuge der Übernahme der Siemens-Tochter VDO. Der Autozulieferer hat durch die Fusion hohe Schulden gemacht. Durch die Abschreibungen verringerten sich diese nun um rund 373 Millionen Euro auf rund 10,5 Milliarden Euro. Der Schuldenabbau habe weiter oberste Priorität, hieß es.
Der Umsatz legte wegen des VDO-Zukaufs von 16,6 auf 24,2 Milliarden Euro zu, die Umsatzrendite sank dagegen von 11,1 auf 7,6 Prozent. Damit erreichte Conti immerhin seine erst im Dezember auf 7,5 bis 8,0 Prozent gesenkte Zielmarge, die um die Abschreibungen auf den VDO-Zukauf sowie um Restrukturierungs- und Integrationsaufwendungen bereinigt ist.
Die Schätzungen von Branchenexperten verfehlte Conti allerdings. Analysten hatten für das Gesamtjahr im Schnitt mit einem Verlust von 239 Millionen Euro, einem Gewinn vor Zinsen und Steuern von 625 Millionen und einem Umsatz von 24,8 Milliarden gerechnet.
Angesichts der Absatzkrise in der Autoindustrie verzichtete Conti auf eine konkrete Prognose. Allerdings sei mit einer Beschleunigung des Umsatzrückgangs in den Automotive-Divisionen zu rechnen, kündigte das Unternehmen an. "Es ist anzunehmen, dass es im laufenden Jahr zu erheblichen Restrukturierungsmaßnahmen kommt", sagte Firmenchef Karl-Thomas Neumann.
Die Zukunft der Conti ist derzeit offen. Die fränkische Schaeffler-Gruppe, die Conti übernommen hatte, ist schwer angeschlagen und bittet um Staatshilfen. Conti kommentierte die aktuellen Entwicklung nicht. Der Konzern teilte lediglich mit, die begonnenen Gespräche über eine Zusammenarbeit würden fortgesetzt.