Verschuldung: Kirch greift nach dem Rettungsring - DER SPIEGEL
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Verschuldung Kirch greift nach dem Rettungsring

Die Verschuldung seines Medien-Imperiums treibt Leo Kirch zu ungewöhnlichen Schritten. Um dreistellige Millionen-Summen zu sparen, will er unkündbare Verträge mit Hollywood-Studios ändern. Außerdem legt der Filmhändler erstmals die Höhe seiner Kredite offen.
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Ismaning - Die "Financial Times Deutschland" berichtet über ein "Muskelspiel" zwischen Kirch und Hollywood-Studios wie Columbia-Tristar, Universal, Fox, Paramount und Disney Buena Vista. Diese Verhandlungen liefen bereits seit längerem und gingen nun in die heiße Phase, heißt es.

Kirchs Ziel sei es, die eigentlich unkündbaren Filmbezugsverträge, die bis 2006 oder länger laufen, zu verändern, damit sein schwer verschuldetes Pay-TV-Unternehmen Premiere World finanziellen Spielraum gewinnt. Ein Hollywood-Branchenkenner schätze, dass Kirch so einen dreistelligen Millionen-Dollar-Betrag herausschlagen wolle.

Kirch-Unternehmenssprecher Hartmut Schultz bestätigte den Bericht. Er wollte aber nicht sagen, mit welchen Studios verhandelt wird und um welche Summen es genau geht. Auch der Chef des Studios Columbia-Tristar, Michael Grindon, habe die Verhandlungen mit Kirch bestätigt, heißt es in der FTD, andere Studios hätten sich aber offiziell nicht äußern wollen.

"Keiner hat etwas davon, wenn Premiere Pleite geht."

Streng juristisch gesehen hat Kirch dem Bericht zufolge keine Chance, sich von den Vertragsfesseln zu befreien, wirtschaftlich-pragmatisch gesehen stünden seine Chancen aber gut. "Keiner hat etwas davon, wenn Premiere Pleite geht", zitiert die Zeitung einen Branchen-Insider. Die Studios seien zu gierig gewesen, als sie Kirch Mitte der neunziger Jahre auf hohe Bezugsgebühren festlegten.

Der Medienunternehmer sei damals in einer schlechten Position gewesen, da er dringend Filmstoff für sein neues digitales Bezahlfernsehen brauchte. Inzwischen habe sich Kirchs Stellung verbessert - vor allem, weil Konkurrent Bertelsmann aus dem Pay-TV-Rennen ausgestiegen sei.

"Ich habe kein Geld, ich habe Schulden."

Wie hoch genau die Verschuldung der KirchMedia ist, will das Unternehmen am Montag in einem Halbjahresbericht mit Segmentberichterstattung offenlegen. Es ist das erste Mal, dass KirchMedia einen Finanzbericht vorlegt. So will die als intransparent und verflochten geltende Medien-Gruppe um das Vertrauen von Investoren werben und den für den nächsten Sommer geplanten Börsengang ihrer Tochter vorbereiten.

Diese Veröffentlichung sei im übrigen keine Reaktion auf eine Untersuchung der KirchGruppe, die das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen eingeleitet hat, sagte eine Kirch-Sprecherin. Das BAKred hat laut Berichten vom Wochenende begonnen, bei den Hausbanken Erkundigungen über Kirchs Schulden einzuholen. Branchenkenner spekulierten daraufhin, die Aufsichtsbeamten bezweifelten die Solidität der Kredite.

In anderen Medienberichten war davon die Rede, die rot-grüne Bundesregierung hätte die Kreditaufsicht zu der Prüfung veranlasst, weil sich Berlin über die Medienmacht Kirchs und seine konservative Linie ärgere.

In seinem ersten Interview seit Jahren hatte Kirch letzte Woche die Spekulationen über seine Kredite noch angeheizt. Im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen" scherzte er: "Ich habe kein Geld, ich habe Schulden."