Verstaatlichungspläne: Putin verteidigt Jukos-Deal - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Verstaatlichungspläne Putin verteidigt Jukos-Deal

Russlands Präsident Wladimir Putin hält einen Weiterverkauf der jüngst zwangsversteigerten Juganskneftegas-Anteile für möglich. Dann könne auch ein staatsnahes Unternehmen zum Zuge kommen, sagte Putin bei den deutsch-russischen Konsultationen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Schleswig/Moskau - Zur Baikalfinanzgruppe, dem bislang unbekannten Käufer von Juganskneftegas, sagte Putin, hinter dieser Firma stünden physische Personen, die seit vielen Jahren im Energiebereich tätig seien. Er schloss nicht aus, dass die Aktiva von Juganskneftegas weiter verkauft werden. Nach seinem Kenntnisstand sei die Baikalfinanzgruppe daran interessiert, mit anderen Energiewirtschaftsunternehmen Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Die Gruppe habe das Recht, mit den ersteigerten Aktiva von Juganskneftegas weiterzuarbeiten.

Auch an staatliche Firmen dürften die Anteile weiterverkauft werden, betonte Putin. Das würde bedeuten, dass auch der staatlich kontrollierte Konzern Gasprom, der entgegen der Erwartungen die Auktion verloren hatte, später doch noch Juganskneftegas erwerben könnte.

Putin hat die umstrittene Zwangsversteigerung der Jukos-Hauptfördergesellschaft Juganskneftegas als gesetzmäßig bezeichnet: "Die Auktion hat in völliger Übereinstimmung mit dem geltenden russischen Recht stattgefunden."

Der russische Präsident erklärte weiter, er habe Bundeskanzler Gerhard Schröder über die Auktion informiert. Schröder sagte: "Jeder Versuch, dies zur Frage der deutsch-russischen Beziehungen zu machen, wird scheitern." Er reagierte damit auf Medienberichte, wonach auch deutsche Energiefirmen an dem Erwerb von Teilen des mit Milliarden-Schulden belasteten Jukos-Konzerns interessiert seien. Schröder nannte die umstrittene Zerschlagung des Ölförderers eine "rein russische Angelegenheit". "Diese Frage ist ein innerrussisches Problem", sagte der Kanzler.

Jukos-Konkurrent soll hinter Baikalfinanzgruppe stecken

Mehrere russische Medien berichten, dass der Öl- und Gaskonzern Surgutneftegas hinter der Baikalfinanzgruppe steckt. Die Vertreter der bislang unbekannten Firma bei der Auktion seien als ranghohe Manager von Surgutneftegas identifiziert worden, berichteten die Zeitungen "Wedomosti" und "Gaseta".

Surgutneftegas kommentierte den Bericht zunächst nicht. Die Baikalfinanzgruppe hatte für mehr als sieben Milliarden Euro am Sonntag den Zuschlag für das Kernstück des Ölkonzerns Jukos erhalten.

Falls der Kaufpreis nicht fristgerecht entrichtet werde, könne der russische Staat die Versteigerung für ungültig erklären und die Aktien von Juganskneftegas zunächst behalten, sagte ein nicht namentlich genanntes Regierungsmitglied der Nachrichtenagentur Itar-Tass. Analysten in Moskau schlossen nicht aus, dass die Behörden von vornherein dieses Ergebnis der Versteigerung geplant hätten, um die wichtigste Fördergesellschaft des Ölkonzerns Jukos unter Kontrolle zu bringen.

Experten verweisen zudem darauf, dass Surgutneftegas freundschaftliche Beziehungen zur Regierung von Präsident Wladimir Putin unterhält. Es sei darum auch vorstellbar, dass der neue Eigentümer von Juganskneftegas die Jukos-Tochter an den halbstaatlichen Gasprom-Konzern weiterreichen könnte, der in den vergangenen Tagen immer wieder als Interessent im Gespräch war.