Verwirrung Welteke widerspricht Duisenberg
Paris - Keine zwei Tage ist es her, dass der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, öffentlich die Zweckmäßigkeit von Interventionen zugunsten des Euro bezweifelte. Duisenberg sagte, angesichts der Nahost-Krise und den Präsidentschaftwahlen in den USA wäre eine derartige Aktion "kaum zu verteidigen". Die anschließenden Diskussionen über diese Einschätzung trieb den Euro in den Keller, Duisenberg sah sich Rücktrittsforderungen ausgesetzt. Nun meldet sich Bundesbankpräsident Ernst Welteke zu Wort. Er hielt in einem Interview mit der französischen Zeitung "l´Agefi" Interventionen durchaus für möglich und widersprach damit indirekt seinem niederländischen Kollegen.
Die gemeinsamen Euro-Stützungskäufe der Notenbanken vom 22. September hätten gezeigt, dass die Zentralbanken entschlossen seien zu handeln, wenn sie über den Euro-Kurs besorgt seien, sagte Welteke der Zeitung. Er deutete an, dass die EZB wieder intervenieren werde, "sollte die Schwäche des Euro negativ auf das weltweite Wirtschaftswachstum wirken". Der Gemeinschaftswährung bescheinigte Welteke zudem ein "enormes" Aufwertungspotenzial.
Die Warnung des US-Notenbankers Alfred Braoddus am Dienstagabend, der starke Dollar schade den amerikanischen Industrieunternehmen, haben den Intervetions-Spekukationen neue Nahrung gegeben. "Die Schlussfolgerung ist, dass die Fed möglicherweise doch empfänglicher für Interventionen ist als wir dachten, weil sie den Dollar zähmen will", sagte ein Händler. Die Äußerung sei außerdem besonders bemerkenswert, da die Vertreter der US-Notenbank Fed eher selten zum Devisenmarkt Stellung nähmen.
Angesichts dieser Interventionsgerüchte präsentierte sich der Euro fester. Die Währung kostete am frühen Nachmittag rund 0,853 Dollar. Händler warnter allerdings, dass die Euro-Schwäche damit noch nicht beendet sei. Einige von ihnen wollen erst aber einem Kurs über 86 US-Cent von einer nachhaltigen Erholung sprechen.