Verzweiflungstat: GM verkauft lukrative Finanzsparte - DER SPIEGEL
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Verzweiflungstat GM verkauft lukrative Finanzsparte

General Motors inszeniert den Deal als Befreiungsschlag, doch es wirkt eher wie eine Verzweiflungstat: Angetrieben von chronischem Geldmangel verkauft der angeschlagene US-Autobauer ausgerechnet sein letztes hochprofitables Geschäft - seine Finanzsparte.
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Detroit - Rund 2,4 Milliarden Dollar Gewinn hatte die Finanzsparte General Motors Acceptance Corp. (GMAC) - zuständig für Autofinanzierungen sowie Hypotheken- und andere Finanzgeschäfte - im vergangenen Jahr gebracht. Damit war sie mit Abstand das lukrativste Geschäft des sonst tief in der Krise steckenden Autobauers General Motors  . Trotzdem soll die Sparte nun abgestoßen werden: Die Kontrollmehrheit von 51 Prozent gehe an ein Konsortium um die Investmentfirma Cerberus und die US-Bankgesellschaft Citigroup, teilte General Motors (GM) heute mit.

Es ist eine Verzweiflungstat, die GM-Chef Rick Wagoner euphemistisch als "Meilenstein" in der Restrukturierung seines Konzerns bezeichnete. Mit den 14 Milliarden Dollar, die das Geschäft bringen soll, verschaffe sich das Unternehmen ausreichend Liquiditäten, um seine Neuausrichtung besonders auf dem nordamerikanischen Markt zu finanzieren, erklärte Wagoner. Bereits in der vergangenen Woche hatte GM seinen 78-Prozent-Anteil an der Immobiliensparte der GMAC für 1,5 Milliarden Dollar an eine Investorengruppe verkauft.

Pleitegerüchte ebben nicht ab

Das Geld hat GM bitter nötig, denn es sieht übel aus bei dem Autobauer und es wird immer schlimmer. Nach vorläufigen Schätzungen machte der Gesamtkonzern im vergangenen Jahr einen Verlust von 10,6 Milliarden Dollar. Das sind etwa zwei Milliarden Dollar mehr als ursprünglich erwartet und entspricht fast 85 Prozent des Unternehmenswertes. Der Autogigant kämpft besonders auf dem Heimatmarkt seit Jahren mit massiven Absatzproblemen. Bereits im vergangenen Jahr hatte GM deshalb angekündigt, bis 2008 in Nordamerika neun Werke zu schließen und 30.000 Stellen zu streichen.

Doch die Pleitegerüchte um den Konzern ebben nicht ab. Erst am Freitag hatten Sanierungspläne des Autozulieferers Delphi erneut für Entsetzen in der General-Motors-Spitze geführt. Das insolvente einstige GM-Tochter-Unternehmen will zu Sparzwecken unter anderem unrentable Verträge mit der früheren Mutter kündigen, durch die GM preisgünstig Bremsen, Lenksysteme und Armaturenbretter bezieht und die wesentlicher Bestandteil des Kostensenkungsprogramms von GM-Chef Rick Wagoner sind.

Aus Protest gegen den radikalen Delphi-Sanierungs-Plan, der unter anderem die Schließung eines Großteils der Produktionsstätten vorsieht, drohte die Autogewerkschaft UAW außerdem mit einem langen Streik. Ein solcher Ausstand hätte verheerende Folgen für GM, dessen US-Produktion von den Lieferteilen von Delphi abhängig ist. Branchenexperten fürchten schon, dass GM einen längeren Streik bei Delphi nicht überstehen würde.

ase/AFP/dpa