AFFÄREN Verzwickte Lage
Am Karfreitag wurde der nächtliche Friede auf der winzigen Karibikinsel St. Martin abrupt gestört. Schwerbewaffnete Polizisten umstellten das Haus eines Inselbewohners, strahlten das Anwesen mit grellen Scheinwerfern an und verhafteten den überraschten Hausbesitzer.
Das neue Leben des Dietrich Garski ging damit abrupt zu Ende. Als Dieter Dietrich hatte der Berliner Bauunternehmer, über dessen Geschäfte vor gut zwei Jahren der Berliner Senat des Regierenden Bürgermeisters Dietrich Stobbe (SPD) stolperte, sich vor Interpol verbergen und frische Ideen zum Gelderwerb verwirklichen wollen.
Auf dem Karibik-Eiland, das zu den Niederländischen Antillen gehört, hatte der 52jährige Architekt durchaus nicht das Leben eines Frührentners geführt. Er war ständig auf dem süd- und nordamerikanischen Kontinent unterwegs, um Geschäftspartner für neue Projekte zu gewinnen: Feriencamps in der Karibik.
Beiläufig ließ der freundliche Geschäftsmann, der beschuldigt wird, Berliner staatliche Mittel veruntreut zu haben, zuweilen Bemerkungen über seinen Wohlstand fallen. Neben dem Haus auf St. Martin habe er eine Wohnung plus Porsche in Zürich sowie eine Ranch in Kanada. Besonders »in Saudi«, so deutete der Architekt beim Plausch oft an, habe er es zu Geld gebracht.
Das mag zutreffen, denn schließlich begann die Berliner Garski-Affäre in Saudi-Arabien. Garski war 1978 zunächst vergeblich einem Großauftrag zum Bau saudischer Schulen nachgejagt, den er trotz beträchtlicher Schmiergelder nicht bekam. Dann aber glückte dem Bauunternehmer ein Coup.
Eine belgische Gruppe beteiligte den Berliner an einem 500-Millionen-Projekt zum Bau zweier saudischer Militärakademien. Dafür fehlte seiner kleinen Firma zwar das Geld, statt dessen aber konnte sich Garski auf gute Beziehungen zu dem damals regierenden sozial-liberalen Stobbe-Senat verlassen. Er war kurz zuvor Mitglied der FDP geworden und spendete den klammen Liberalen tüchtig Geld.
Bis heute ist nicht völlig geklärt, warum die stadteigene Berliner Bank für das Saudi-Geschäft schließlich einen 128-Millionen-Kredit gab, den die Stadt auch noch zum größten Teil verbürgte. Alle anderen Banken hatten abgewinkt, als sie einen Blick in die Bilanzen der Garski-Firma Bautechnik geworfen hatten.
Der Geschäftsverlauf in der Wüste Saudi-Arabiens rechtfertigte die Zweifel. Der Bau geriet in Verzug, so daß die Saudis ihre Zahlungen einstellten. Garskis Firma meldete Konkurs an.
Als schließlich bekannt wurde, daß die Stadt mit Krediten und Bürgschaften leichtfertig verfahren war, trat schließlich der Berliner Senat zurück. Die Steuerzahler bezahlten am Ende 93 Millionen Mark für das mißlungene Geschäft in Saudi-Arabien.
Garski verschwand ins Ausland. Es dauerte noch mehr als ein Jahr, bis die Berliner Behörden einen Haftbefehl gegen Garski ausstellten: Mindestens fünf Millionen Mark der Berliner Kredite, das scheint bewiesen, hat Garski zweckwidrig verwendet. Seit Mitte vergangenen Jahres suchte Interpol den Berliner wegen Verdacht auf Kreditbetrug.
Ob Garski freilich von der Antillen-Insel Curacao, wo er derzeit einsitzt, nach Berlin gelassen wird, ist noch fraglich. Die Rechtslage ist verzwickt, obwohl die Niederländischen Antillen unter die Staatshoheit des EG-Staates Holland fallen: Garskis Wohnsitz St. Martin ist vom europäischen Auslieferungsverfahren ausgeschlossen.
Ohnehin sollen die Akten von Berlin aus über die zuständigen Bonner Ministerien ins holländische Außenministerium geschafft werden. Und das kann noch etwas dauern: Die Papiere müssen erst ins Niederländische übersetzt werden.
S.741980 in einem Lokal.*