Viele Rätsel - DER SPIEGEL
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Manager Viele Rätsel

Der ehemalige Mannesmann-Chef Werner Dieter muß mit einer Anklage rechnen.
• aus DER SPIEGEL 44/1994
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Auch als Pensionär kommt Werner Dieter nicht mit einem Achtstundentag aus. Häufig muß ihn der Fahrer bereits morgens um sieben Uhr zu Mannesmann-Rexroth bringen. Beim größten Hydraulik-Produzenten der Welt ist Dieter der Vorsitzende des Aufsichtsrats.

Anfang Juli wechselte der Manager vom Chefsessel des Mannesmann-Konzerns in den Ruhestand. Seither widmet er sich besonders der Mannesmann-Tochter Rexroth in Lohr am Main.

Doch dafür könnte ihm bald die Zeit fehlen. Vieles deutet darauf hin, daß Dieter mit einer Anklage rechnen muß. Die Führungsmannschaft rechnet sogar mit dem Schlimmsten: einem Strafprozeß gegen ihren ehemaligen Chef.

Seit Monaten ermittelt die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Konzernführer wegen des Verdachts der Untreue. Dieter soll Mannesmann jahrelang zugunsten seiner eigenen Firmengruppe Hydac ausgeplündert haben: Konzernfirmen mußten offenbar Zulieferteile und Aggregate zu überhöhten Preisen ausschließlich bei Dieters Privatfirmen kaufen, die so Millionengewinne machen konnten (SPIEGEL-Titel 24/1994).

Mitte September durchsuchten Staatsanwälte die Verwaltungen von Rexroth und einer weiteren Mannesmann-Firma sowie die Hydac-Zentrale und Dieters Privaträume. Die beschlagnahmten Dokumente füllen rund 5000 Ordner.

Nach der ersten Sichtung scheint sich der Verdacht erhärtet zu haben. Dieter muß zudem fürchten, daß ihn bei den anstehenden Zeugenvernehmungen viele aus dem Rexroth-Management schwer belasten werden.

Auch die KPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft, die der Aufsichtsrat mit der Prüfung beauftragt hatte, wurde fündig. So berechnete Dieters Hydac der Mannesmann-Tochter Rexroth 1990 für ein Hydraulik-Teil fast 1400 Mark. Als ein Jahr später ein Konkurrent das Teil für 850 Mark anbot, senkte die Hydac den Preis auf 1111 Mark - und blieb dennoch im Geschäft.

Während Dieter die Spesen seines Vorstands von externen Prüfern durchleuchten ließ, setzte er für die Kontrolle seiner Hydac-Geschäfte mit Mannesmann nur die konzerneigene Revision ein. Die fand natürlich nichts, denn ihre Berichte landeten stets beim Chef.

Den Revisoren waren auch die sonderbaren Zahlungen nicht aufgefallen, die von der Rexroth-Spitze über ein Sonderkonto mit der Nummer 5083187 bei der Dresdner Bank in Offenbach abgewickelt wurden. Seit gut zehn Jahren gehen dort monatlich fünfstellige Beträge vom Rexroth-Geschäftskonto ein und werden prompt weitergeleitet.

Für die Empfänger des Geldes interessiert sich nun die Staatsanwaltschaft, vor allem für Andrea Fenyo aus der Schweiz. Er allein hat in den vergangenen drei Jahren rund 1,1 Millionen Mark von dem Konto kassiert.

Der gebürtige Italiener ist ein guter Bekannter von Dieter. Er sowie seine beiden Söhne Piero und Sandro stehen seit vielen Jahren in den Diensten des ehemaligen Mannesmann-Chefs. Die drei Fenyos managen die Rualtec SA in Lamone bei Lugano und die Rual SA mit Niederlassungen in Bern, Lugano, St. Gallen und im italienischen Cassina de Pecchi - allesamt Dieters Firmen.

Die Zahlungen an Fenyo geben manche Rätsel auf. Rechnungen oder Lieferungen, die Überweisungen rechtfertigen, sind in der Buchhaltung nicht aufgetaucht. Dieter, der die Zahlungen an seine Statthalter aufklären könnte, mochte sich dazu nicht äußern.

Auch für andere Überweisungen vom Offenbacher Konto haben Manager in Lohr keine plausible Erklärungen. In der Rubrik »Zahlungsgrund« heißt es beispielsweise zu einer Überweisung in Höhe von 25 000 Mark: »Beratungskosten Sonderzahlung lt. Schreiben vom 23. 6. 93«. Auch dazu schweigen sich Dieter und die Rexroth-Spitze aus.

Seit Jahren schon hegen Führungskräfte bei Rexroth den Verdacht, daß von dem Konto Zahlungen geleistet wurden, die nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit Mannesmann-Geschäften stehen, schwerwiegende Vorwürfe, denen nun die Staatsanwälte nachgehen.

Auch die Aufsichtsräte müssen fürchten, daß die Fahnder bei der Überprüfung der Dieter-Geschäfte einen Schaden für Mannesmann feststellen. Dann könnten sie ebenfalls haftbar gemacht werden. Deshalb haben sie es mit der Aufklärung der Affäre nicht so eilig. Die Räte haben nach der KPMG mit Coopers & Lybrand eine weitere Prüfungsgesellschaft eingeschaltet. Sie soll die Vorgänge umfassend untersuchen - und das kann dauern. Y

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