Viermonatstief: Dax nähert sich 4000-Punkte-Marke - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Viermonatstief Dax nähert sich 4000-Punkte-Marke

Große Unruhe an der Börse: Der Dow Jones hat am Donnerstagabend auf dem tiefsten Stand seit sechseinhalb Jahren geschlossen, jetzt fällt auch der Dax rasant - um mehr als drei Prozent. Die Marke von 4000 Punkten rückt in bedrohliche Nähe.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Die Konjunkturkrise ist an der Börse noch längst nicht ausgestanden. Wegen drohender neuer Belastungen für die Banken ist der Dax   am Freitag auf den niedrigsten Stand seit vier Monaten gefallen. Der Leitindex rutschte am Vormittag um 3,3 Prozent auf 4065 Punkte ab.

Wertpapierhändler in Frankfurt: "Die Angst schwappt zu uns rüber"

Wertpapierhändler in Frankfurt: "Die Angst schwappt zu uns rüber"

Foto: DDP

"Im Mittelpunkt stehen wieder einmal die Banken", sagte ein Händler. "Die Angst in den USA vor einer Verstaatlichung der Banken schwappt zu uns rüber." Die Titel der Commerzbank   fielen um 7,4 Prozent, Aktien der Deutschen Bank   gaben 6,2 Prozent nach.

Schlusslicht im Dax waren die Papiere der Allianz  , die um 8,4 Prozent abrutschten. Händler verwiesen auf einen rund 25-prozentigen Kurseinbruch von Hartford Financial in den USA, an dem die Münchener 25 Prozent der Stimmrechte halten.

Am Donnerstagabend hatte auch schon der Dow Jones   einen Einbruch erlebt. Bei Handelsschluss lag der amerikanische Leitindex 1,2 Prozent im Minus bei 7465,95 Punkten und damit auf dem tiefsten Stand seit sechseinhalb Jahren. An der Wall Street waren die Aktien der Citigroup   und der Bank of America   um jeweils 14 Prozent abgerutscht.

In Tokio fiel am Freitagmorgen dann auch der Nikkei   um 1,9 Prozent. Der breiter aufgestellte japanische Topix schloss sogar so tief wie seit rund 25 Jahren nicht mehr.

In Deutschland verwiesen Börsianer am Freitagvormittag auf einen Bericht über unbekannte Belastungen bei der Hypo Real Estate   (HRE). "Das nährt die Befürchtungen, dass bei anderen Banken ähnliche versteckte Risiken schlummern." Laut "Hannoverscher Allgemeiner Zeitung" hat sich die HRE eine Billion Euro am Kapitalmarkt geborgt, die laufend mit neuen Krediten refinanziert werden müssen.

In dem Bericht heißt es, bei dem Immobilienfinanzierer seien zum Teil hoch spekulative Geschäfte in Milliardenhöhe getätigt worden, die nicht in der Bilanz auftauchten. Zusammen mit der offiziellen Bilanzsumme von etwa 400 Milliarden Euro ergebe sich eine Summe von knapp einer Billion Euro.

Gegen 10.30 Uhr brach die Aktie um fast 15 Prozent auf rund 1,40 Euro ein. Ein Händler sprach von einem "Fass ohne Boden". Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, konstatierte: "Die Hypo Real Estate ist die deutsche Lehman Brothers   und derzeit der Dreh- und Angelpunkt für den deutschen Bankensektor."

Auch der MDax   rutschte ab. Am Freitagvormittag notierte der Index der mittelgroßen Werte um 2,7 Prozent im Minus bei rund 4825 Zählern.

Deutsche Technologiewerte verzeichneten ebenfalls deutliche Verluste. Am späten Vormittag gab der TecDax   2,6 Prozent auf rund 470 Zähler ab. Verantwortlich waren dafür vor allem Verluste im Solarsektor. Titel von Q-Cells fielen um mehr als acht Prozent.

wal/Reuters/dpa-AFX