Virgin Atlantic: Branson schielt auf die Concorde - DER SPIEGEL
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Virgin Atlantic Branson schielt auf die Concorde

Die Präsentation seiner Geschäftszahlen nutzte Virgin-Chef Sir Richard Branson in gewohnter Manier, um von sich reden zu machen. Er will die Concorde übernehmen und auch Zweiter-Klasse-Tickets anbieten. Experten vermuten dahinter eher einen PR-Gag.
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London - Den Fluggesellschaften British Airways und Air France ist der Überschallflieger zu teuer. Branson jedoch beteuert seinen Glauben an die Zukunft des Prestigeflugzeugs. Auf der Pressekonferenz zur Verkündung seiner Geschäftszahlen wiederholte der Virgin-Chef sein Angebot an die Konkurrenten, eine gemeinsame Tochtergesellschaft zu gründen, um die Concorde auch nach 30 Jahren in der Luft zu halten.

Er hoffe auf ein Gespräch mit der britischen Industrieministerin Patricia Hewitt in den kommenden Tagen, in dem er um ein Eingreifen der britischen Regierung bitten wolle, damit das prestigeträchtige Flugzeug nicht an Museen verkauft werde, sagte Branson. Die Ministerin zeigte sich in einer ersten Reaktion sehr interessiert an Gesprächen über das Thema. "Die Concorde ist ein bedeutender Botschafter für Großbritannien und sollte in der Luft bleiben, statt verkauft zu werden".

8727 Euro pro Flug

Über Details seines Geschäftsplans ließ Branson die Zuhörer jedoch auch diesmal im Unklaren. Immerhin schürte er ein wenig Hoffnung bei denjenigen, die bislang einen Flug mit dem Superflugzeug noch nicht einmal in Erwägung gezogen hatten. "Wir würden eher eine Zweite-Klasse-Concorde als eine Erste-Klasse-Concorde haben, damit das Flugzeug ständig voll besetzt ist", erklärte Branson. Unter seiner Regie würden dann die Preise in der noblen Klasse deutlich teurer.

British Airways (BA) und Air France wollen ihre Flüge mit den Überschallmaschinen spätestens zum 1. November einstellen. Trotz Ticketpreisen in Höhe von 8727 Euro bei Air France beziehungsweise 5555 Euro inklusive Zubringerflug bei BA für den Concorde-Flug Paris - New York blieb der Betrieb ein Zuschussgeschäft - zu teuer für die tief in den roten Zahlen fliegenden Fluglinien.

Branson dagegen könnte immerhin auf Millionengewinne von Virgin-Atlantic zurückgreifen. Trotz des Irak-Krieges und der Lungenkrankheit Sars erwartet seine Fluggesellschaft für das laufende Geschäftsjahr, das am 30. April 2003 endet, einen Gewinn in Höhe von umgerechnet 15 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen allerdings noch einen Verlust in Höhe von 92 Millionen Pfund verzeichnet. Nach den von Branson in London präsentierten Zahlen, die noch abschließend geprüft werden müssen, ging der Umsatz von 1,5 Milliarden Pfund auf 1,4 Milliarden Pfund zurück.

Gut inszenierter PR-Gag

Fachleute bezweifeln allerdings, dass selbst eine voll besetzte Concorde Gewinn einfliegen würde. "Die Kosten für Wartung und Ersatzteile sind ernorm", sagt etwa Sebastian Steinke, Redakteur des Fachmagazins "Flug Revue". Hinzu käme der hohe Spritverbrauch. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das Geschäftsmodell rechnet, selbst wenn Branson alle Flugzeuge geschenkt bekommt und daraus zwei oder drei funktionierende Flieger zusammenbaut." Steinke glaubt denn auch nicht daran, dass Branson es mit der Concorde-Linie wirklich ernst meint. "Branson ist ein echter Profi, wenn es um PR geht. Ich glaube, er nutzt das Thema, um für einige Zeit wieder in den Nachrichten präsent zu sein", lautet sein Fazit.

Beim Absturz einer Concorde der Air France waren im Juli 2000 bei Paris 113 Menschen ums Leben gekommen. BA und Air France hatten ihren Concorde-Verkehr daraufhin vorübergehend eingestellt und die 30 Jahre alten Maschinen mit Millionenaufwand überholt. Doch das Interesse an den Concorde-Flügen erreichte danach nie mehr das alte Niveau.