Virtueller Arbeitsmarkt: Neue Dokumente belasten Chef der Bundesagentur - DER SPIEGEL
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Virtueller Arbeitsmarkt Neue Dokumente belasten Chef der Bundesagentur

Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit, gerät weiter unter Druck. Zeitungsberichten zufolge belegen mehrere interne Dokumente, dass er und Vorstandskollege Heinrich Alt seit September 2003 über die Kostenexplosion bei der Online-Jobbörse "arbeitsagentur.de" informiert waren.
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Düsseldorf/Nürnberg - Bisher hatten Weise und Alt behauptet, erst im Dezember über das Finanzdesaster informiert worden zu sein. Wie das "Handelsblatt" unter Hinweis auf interne Dokumente der Behörde schreibt, wussten die beiden Vorstände der Bundesagentur für Arbeit (BA) schon seit August, spätestens seit Anfang September von den drohenden Mehrkosten des Projektes. Ein Sprecher der BA bestätigte der Zeitung die Existenz eines entsprechenden E-Mail-Wechsels. Zu den Inhalten wollte er sich jedoch nicht äußern.

Laut Zeitungsbericht hat Andreas Stöhr, der Leiter des Geschäftsbereiches, Weise die Kostenübersicht des Projektes am 21. August 2003 per E-Mail zugeschickt. Weise habe diese Übersicht am 25. August ebenfalls per E-Mail seinem zuständigen Vorstandskollegen Heinrich Alt zugesandt. Dieser sollte beurteilen, ob die Kostenanalyse in Ordnung sei. In Weises Schreiben heißt es laut "Handelsblatt": "Die Erhöhung ist begründet." Am 1. September sei Weise die Kostenübersicht nach einer Korrektur um eine zusätzliche Million Euro aus dem Büro Alts erneut zugegangen, so der Bericht.

Weise hatte noch am Montag Zeitungsberichte bestritten, wonach er oder Alt die Kostenübersicht damals bekommen hätten. In dem Papier meldete Stöhr seinem damaligen Finanzvorstand Weise einen Gesamt-Mehrbetrag von 51,6 Millionen Euro. Die Gesamtkosten des Projekts werden laut Zeitungsbericht in der Vorlage mit 108,1 Millionen Euro beziffert. Dies habe einer Verdoppelung des ursprünglich mit der Unternehmensberatung Accenture vereinbarten Betrages entsprochen. Mittlerweile drohen die Kosten der Internet-Stellenbörse laut BA sogar auf 165 Millionen Euro zu steigen.

Stephan Götzl, der für die bayerischen Arbeitgeber im BA-Verwaltungsrat sitzt, erhob in den "Nürnberger Nachrichten" bereits schwere Vorwürfe gegen Alt. Seinen Angaben zufolge gibt es keinen Zweifel daran, dass der BA-Vorstand frühzeitig von der Kostenexplosion wusste. "Entweder hat Alt die Kostenentwicklung bei dem Projekt nicht kontrolliert - oder er hat kontrolliert und den Verwaltungsrat nicht darüber informiert", so Götzl.