Vivendi Denkzettel für Messier
Paris - Für seine Pläne zur Ausgabe von Aktienoptionen als Belohnung für das Management fand Messier keine Mehrheit. Nach dem Einbruch des Börsenkurses (seit Jahresbeginn um fast 40 Prozent) empfanden die Aktionäre dies offensichtlich als zu große Zumutung.
Am Ende konnte der Vivendi-Chef dennoch aufatmen. "Es ist doch alles sehr gut gelaufen", sagte der Vorstandschef des zweitgrößten Medienkonzerns Vivendi Universal am Mittwochabend in Paris nach schwierigen vier Stunden. Auf der Hauptversammlung hatte es Proteste und Buhrufe gehagelt. Vor der Versammlungshalle hatten einige hundert TV-Mitarbeiter des größten europäischen Abonnentenkanals Canal Plus ihrem Ärger über die Entlassung des legendären Canal-Plus-Gründers Pierre Lescure Luft gemacht. Sie forderten den Rücktritt Messiers.
Schließlich gelang es Messier doch, die Wogen zu glätten, nachdem er versprochen hatte, seinen Expansionsdrang vorerst zu stoppen und dafür den durch Übernahmen auf 34 Milliarden Euro angewachsenen Schuldenberg schnellstmöglich zu reduzieren. "Es wird keine Großakquisitionen in diesem Jahr geben, der Schuldenabbau hat Vorrang."
Messier räumte Kommunikationsfehler ein, zeigte sich einsichtsvoll und entschlossen. "Ich habe mich zu sehr in den Vordergrund gedrängt." Er werde sich jetzt selbst mehr zurücknehmen, sagte der 45-Jährige. Ihm wurde sein unverblümter amerikanischer Führungsstil angekreidet. In Paris fiel er in Ungnade, weil er die Sonderrolle der französischen Kultur in Frage stellte.
Gemischtes Echo erntete Messier, als er seinen Fünf-Punkte-Plan erklärte, mit dem er den Konzern aus der Krise führen will. Dazu zählte er den Verlustabbau bei den Internetaktivitäten und bei Canal Plus. Durch hohe Sonderabschreibungen - allein sechs Milliarden Euro für Canal Plus - wies der Konzern 2001 bei rund 57 Milliarden Euro Umsatz einen Rekordverlust von 13,6 Milliarden Euro aus. "Die Auswechslung der Managementspitze von Canal Plus war nicht zu umgehen", wehrte Messier Kritiker ab. Die Aktionäre segneten dies mit denkbar knapper Mehrheit ab. Pläne, die mit Vivendi-Schulden belastete Wasserversorgungstochter Vivendi Environnement unter 50 Prozent zu drücken, hatte er bereits im Vorfeld fallen gelassen. "Das steht nicht auf dem Plan."
Der Verwaltungsrat habe einstimmig für seinen Kurs votiert, versicherte Messier. "Unser Ziel ist es, in den Medien bei den Verbrauchern weltführend zu werden", sagte der Vivendi-Chef, der in den vergangenen Jahren ein Imperium schuf, das von den Universal Filmstudios über den größten Musikproduzenten Universal Music bis zum digitalen Fernsehen reicht.
Der Aufwärtskurs des Unternehmens werde durch die Zahlen im ersten Quartal belegt, sagte Messier. Nach vorläufigen Angaben stieg der Umsatz in der Mediensparte um zwölf Prozent auf 7,1 Milliarden Euro. Der operative Gewinn habe sich um 27 Prozent auf 36 Millionen Euro erhöht. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sei um 16 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro gewachsen.
Mit Zustimmungsquoten um die 77 Prozent auf der Hauptversammlung für Strategie und Zahlenwerk kam der Vivendi-Chef schließlich mit einem blauen Auge davon. In den Vorjahren gab es noch Quoten um die 90 Prozent.