Vivendi-Krise: Chirac und Jospin warnen Messier - DER SPIEGEL
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Vivendi-Krise Chirac und Jospin warnen Messier

Nachdem Vivendi-Chef Jean-Marie Messier den Chef des Kult-Senders Canal Plus gefeuert hat, ist Frankreich in Aufruhr. Jetzt haben sich führende Politiker eingeschaltet - denn erstens geht es um die nationale Ehre und zweitens ist Wahlkampf.
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Paris - Der spektakuläre Rauswurf des Chefs von Canal Plus, der Pay-TV-Sparte von Vivendi Universal, hat in Frankreich die Politik auf den Plan gerufen. Präsident Jacques Chirac und Premierminister Lionel Jospin ermahnten den Vivendi-Vorstandsvorsitzenden Jean-Marie Messier am Mittwoch, die Verträge zur Subventionierung der heimischen Filmindustrie einzuhalten. Messier steht damit eine Woche vor der Hauptversammlung des Konzerns massiv unter Druck.

Noch bis vor kurzem war ein Abgang von Canal-Plus-Chef Pierre Lescure für unmöglich gehalten worden. "Wenn Messier Lescure feuert, besiegelt er seine eigene Karriere", zitierte die "Financial Times Deutschland" einen Vertrauten Messiers. "Hinter Lescure steht ein einflussreiches Netz von Intellektuellen, Schauspielern, Musikern, Politikern und Angestellten."

"Pathologisch übersteigertes Ego"

Die düstere Prophezeiung könnte sich bewahrheiten. Die linke Tageszeitung "Libération" sprach von einem "Canal Putsch". Der geschasste Lescure sagte, Messier habe ihn wegen "Majestätsbeleidigung" gefeuert. "Messier leidet unter einem pathologisch übersteigerten Ego", so Lescure. Auch die Beschäftigen reagierten empört auf die Entlassung des Mitbegründers von Canal Plus. Mehrere hundert Menschen demonstrierten vor dem Sitz von Vivendi Universal in Paris.

Hintergrund der Empörung ist eine Besonderheit der französischen Medienindustrie, die "exception culturelle": Um die nach Meinung führender Politiker einzigartige französische Kultur und Sprache zu erhalten, subventioniert der Staat in großem Stil Kunst, Film und Musikproduktionen. Canal Plus ist in diesem System der wichtigste Geldgeber der farnzösischen Filmbranche: Etwa die Hälfte aller heimischen Produktionen wird mit Mitteln aus dem Canal-Plus-Etat finanziert.

Belegschaft kidnappte den Sender

Am Dienstagabend hatte die Belegschaft ihrer Wut auf Messier in einer von Canal Plus übertragenen Belegschaftsversammlung Luft gemacht. Auch Kulturschaffende kritisierten Messiers Entscheidung. Der diesjährige Präsident des internationalen Filmfestivals von Cannes, Regisseur David Lynch, bezeichnete den Führungswechsel als Beginn einer "Ära der Fließband- und McDonald's-Kultur". Auch französischen Stars wie Cathérine Deneuve und Juliette Binoche kritisierten die Entscheidung.

Die beiden wichtigsten Bewerber für das Amt des französischen Präsidenten erkannten sofort, dass es sich bei Lescures Rausschmiss um eine potenzielles Wahlkampfthema handelt. Der amtierende Präsident Chirac sprach davon, dass "nationale Interessen" bedroht seien. Der Premierminister Lionel Jospin sagte, Vivendi sei "ein Juwel in der Unternehmenskrone" und müsse durch und durch französisch bleiben.

Hochwertig, aber defizitär

Der Pay-TV-Sender Canal Plus hat rund 4,6 Millionen Kunden, schreibt aber rote Zahlen, unter anderem wegen eines Engagements in Italien. Messier hat Canal Plus zwei Jahre Zeit gegeben, um wieder Gewinn zu erwirtschaften. Der 1984 gegründete Sender genießt mit Kultsendungen wie "Nulle Part ailleurs" oder den "Guignols de l'Info" ein besonderes Image.

Messier versicherte, die aus den Kultursubventionen erwachsenden Verpflichtungen würden selbstverständlich eingehalten. Er hatte jüngst mit seiner Bemerkung Aufsehen erregt, die "exception culturelle" sei am Ende. Premier Jospin betonte im Radio Europe-1, er werde die künftige Rolle von Canal Plus genau im Auge behalten. Die Regierung schaltete die Aufsichtsbehörde für audiovisuelle Medien ein.