Vodafone: Gent geht - DER SPIEGEL
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Vodafone Gent geht

Bei Vodafone brodelt es gewaltig. Nach Streitereien im Management hat der frühere Konzernchef Christopher Gent sein Amt als Ehrenpräsident auf Lebenszeit aufgegeben. Und der britische Mobilfunkriese wird zum Übernahmekandidaten.
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Hamburg/London - Wenn jemand bei Vodafone   seit Monaten in der Schusslinie stand, dann Arun Sarin. Dem indischstämmigen Vodafone-Chef mit amerikanischem Pass werfen die Aktionäre den Verfall des Börsenwertes vor, seine Personalpolitik ist umstritten, das Japan-Geschäft kriselt. Zuletzt schockierte Sarin die Finanzmärkte mit seiner Ankündigung, dass Vodafone rund 41 Milliarden Euro vom Unternehmenswert abschreiben müsse, da das Wachstum hinter den Erwartungen zurückbleibe.

Doch Sarin bleibt, stattdessen verlässt dem Sender BBC zufolge sein Vorgänger Christopher Gent den weltgrößten Mobilfunkanbieter. Nach wochenlangen Auseinandersetzungen mit Sarin um den Kurs des Konzerns gibt der britische Top-Manager sein Amt als Vodafone-Ehrenpräsident auf Lebenszeit auf.

Gents Rückzug deuten Beobachter als Reaktion auf Berichte über die Zerstrittenheit der Vodafone-Spitze. In der vergangenen Woche hatten mehrere Zeitungen über Auseinandersetzungen zwischen Vorstandschef Sarin und der alten Garde um Gent und Chairman Ian Maclaurin berichtet. Gent hatte mehrfach deutlich gemacht, er werde gegen eine Wiederwahl Sarins, der ihm im Sommer 2003 im Amt gefolgt war, votieren.

Wenn die Berichte stimmen, ist es Sarin gelungen, den Vorstand für sich zu gewinnen. Gestern stellte sich selbst Maclaurin ausdrücklich hinter ihn. "Ich stelle klar, dass ich und das Board unseren Vorstandsvorsitzenden uneingeschränkt unterstützen, weil er das Unternehmen in diesen Zeiten voller Veränderungen und Herausforderungen vorwärts bringt", sagte Maclaurin gegenüber der BBC. Gent erklärte seinen Rücktritt.

Vorwürfe, sich zu sehr in die Geschäfte seines Nachfolgers Sarin eingemischt oder gar gegen ihn gearbeitet zu haben, weist der Ex-Vodafone-Chef zurück. "Wenn es eine Kampagne oder eine Verschwörung gäbe - was ich sehr bezweifle -, dann bin ich daran nicht beteiligt", sagte er gestern.

Gent hatte sich mit der monatelangen Übernahmeschlacht um den Düsseldorfer Mannesmann-Konzern den Ruf eines knallharten Managers erworben. 1999 machte Gent ein erstes Angebot, der damalige Mannesmann-Chef Klaus Esser baute eine Abwehrfront auf. Am Ende entschied der Preis: Gent verdoppelte sein Angebot, mit 180 Milliarden Euro ging der Kauf von Mannesmann durch Vodafone als die bislang teuerste Übernahme der Welt in die Geschichte ein. Die millionenschweren Abfindungen für Ex-Mannesmann-Manager beschäftigen bis heute die Juristen.

Neue Konzernstrategie, neuer Marketingchef

Bereits in der vergangenen Woche war bekannt geworden, Vodafone-Marketingchef Peter Bamford werde das Unternehmen zum 1. April verlassen. Einen Nachfolger benannte Arun Sarin nicht. In der Londoner Vodafone-Zentrale heißt es, Bamfords Ausscheiden habe mit einer Neuausrichtung der Konzernstrategie zu tun. Worin diese Neuausrichtung besteht, wollte ein Konzernsprecher nicht näher erläutern. Bamford, der als Vertrauter Gents gilt, gehe jedenfalls nicht im Streit.

Neben der Nachricht von Gents Rücktritt ließen auch Spekulationen um eine Übernahme Vodafones den Kurs der Aktie um zeitweise über drei Prozent steigen. Die britische Zeitung "The Mail on Sunday" meldete, Beteiligungsgesellschaften wie Apax Partners und CVC Capital hätten rund 100 Milliarden Pfund, umgerechnet knapp 145 Milliarden Euro, für den Mobilfunkkonzern geboten. Anderen Berichten zufolge bietet der US-Konzern Verizon Communications rund 40 Milliarden Dollar für Vodafones Anteil an Verizon Wireless.

Aus Branchenkreisen ist zu hören, dass Vodafone sich stärker auf den Mobilfunkbereich konzentrieren will. Zunächst war daher geplant, die deutsche Festnetztochter Arcor, auf dem deutschen Markt die Nummer zwei nach der Deutschen Telekom, zu verkaufen. Dieser Plan werde nun nicht weiter verfolgt, heißt es. Stattdessen solle Arcor mit dem Mobilfunkunternehmen Vodafone D2 fusioniert werden. Interesse an Arcor hatten unter anderem die spanische Telefonica, die France Telekom, freenet.de sowie mehrere Finanzinvestoren bekundet und angeblich bis zu 2,4 Milliarden Euro geboten.

Das Vodafone-Engagement im Festnetz ist in der Konzernspitze umstritten, weil dieser Bereich nicht zum Kerngeschäft des Unternehmens zählt. Andererseits bietet das Festnetz, insbesondere im Bereich des schnellen Internetzugangs DSL, weitaus größere Wachstumsperspektiven als die Mobilfunktelefonie.