Vodafone: UMTS im Schneckentempo - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Vodafone UMTS im Schneckentempo

Vodafone hat darauf hingewiesen, dass sein UMTS-Angebot bei seinem Start im kommenden Jahr nicht die angekündigten Multimedia-Anwendungen bieten kann. Für die Übertragung von Videos und Musik ist es einfach zu langsam.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

London - Vodafone werde beim Start des Betriebes auch die von der britischen Regierung festgelegte Mindestgeschwindigkeit nicht erreichen, berichtet die "Financial Times" ("FT"). Auf einer Analystenkonferenz am Donnerstag habe Vodafone bekannt gegeben, dass die Technologie beim Datentransfer zu langsam sein wird, um Videos oder Musikstücke live zu übertragen. Der britische Mobilfunkbetreiber werde einen Internetzugang nur mit einer Geschwindigkeit anbieten können, die unterhalb der internationalen Definition für den UMTS-Zugang liegt.

Branchenkreise gehen davon aus, dass der weltgrößte Anbieter Vodafone beschlossen habe, die ursprünglich geplante Datentransfer-Rate von 144 bis 384 Kilobit pro Sekunde erst rund drei Jahre nach dem Start der Netze anzubieten.

Bis dahin solle die Rate auf 64 Kilobit begrenzt bleiben, was den Netzaufbau vereinfache und verbillige. Um die Akzeptanz von UMTS zu steigern, solle der bereits verfügbare Standard GPRS nicht wie ursprünglich geplant schneller werden.

Vodafone halte zwar weiter an den Plänen für Multimedia-Dienstleistungen fest, aber bis zu deren Realisierung könnten mehrere Jahre vergehen, schreibt die "Financial Times". Nach Ansicht von Analysten lassen die Aussagen von Vodafone auch Zweifel an den Aussagen anderer Mobilfunkbetreiber aufkommen, von denen einige weiterhin die Vidoeübertragung von Fußballspielen beim Start des UMTS-Netzes versprechen.

Ein Sprecher von T-Mobil sagte, das Unternehmen halte an seinen Plänen für eine Datentransferrate von 144 bis 384 Kilobit pro Sekunde in seinem UMTS-Netz in Deutschland fest. Beim drittgrößten Mobilfunknetzbetreiber E-Plus hieß es, man plane, vom ersten Tag des UMTS-Netzbetriebs an im gesamten Netz eine Datenübertragungsgeschwindigkeit von 128 Kilobit pro Sekunde anzubieten. Daran habe sich nichts geändert, sagte ein Sprecher.

Branchenkreisen zufolge existieren jedoch auch bei den deutschen Anbietern Überlegungen zur Datengeschwindigkeit im UMTS-Mobilfunk. "Beim Start der UMTS-Netze werden ohnehin nur geringere Übertragungsraten verfügbar sein", hieß es in den Kreisen. Die volle Geschwindigkeit werde erst im Zuge des vorgeschriebenen Netzausbaus erreicht. "Es gibt jedoch Überlegungen, ob das UMTS-Netz in ländlichen Gebieten überhaupt für die hohen Geschwindigkeiten ausgebaut wird", hieß es in den Kreisen.

Die europäischen Mobilfunkunternehmen versuchen derzeit die zum Teil hohen Lizenzkosten für UMTS dadurch zu verringern, dass sie mit Billigung der Regulierungsbehörde in Deutschland beim Netzaufbau und beim späteren Netzbetrieb kooperieren. Davon versprechen sich Branchenexperten Einsparungen in Höhe deutlich zweistelliger Prozentsätze. Allein in Deutschland haben sechs Anbieter für je eine UMTS-Sendelizenz rund 16,6 Milliarden Mark bezahlt.

Mehr lesen über