Volkswagen: Abu Dhabi will VW-Aktionär werden - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Volkswagen Abu Dhabi will VW-Aktionär werden

Das Emirat Abu Dhabi hat Interesse gezeigt, bei VW als Großaktionär einzusteigen. Dies sagte Vorstandschef Bernd Pischetsrieder während der Hauptversammlung. Da der Autokonzern sein Leasinggeschäft massiv ausbaut, hat VW bereits zarte Bande mit dem Golf-Staat geknüpft.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - "Das Interesse Abu Dhabis ist es, über eine staatliche Investmentgesellschaft in einem mehrstufigen Umsetzungsprozess letztlich Aktionär der Volkswagen AG zu werden", sagte Vorstandschef Bernd Pischetsrieder zum Auftakt der VW-Hauptversammlung in Hamburg.

Ein VW-Sprecher sprach von einem möglichen Großaktionär Abu Dhabi. Das Interesse stehe im Zusammenhang mit dem von VW geplanten Kauf von 50 Prozent an der Leasinggesellschaft LeasePlan. Wenn Vorstand und Aufsichtsrat sowie die Investmentgesellschaft zustimmen, könnte Volkswagen die am Donnerstag verkündete Übernahme des Autoflottenmanagers LeasePlan finanzieren, indem Abu Dhabi Anteile an Volkswagen   übernimmt.

Aktienpaket von 6,5 Prozent

Abu Dhabi gehört zu den Vereinigten Arabischen Emiraten und ist mit deutlichem Abstand vor Dubai das größte der sieben Emirate am Persischen Golf. Begüterte Aktionäre aus der Golf-Region pflegen seit Jahren eine Vorliebe für deutsche Automobile: Der Staat Kuweit gehört zum Beispiel zu den Großaktionären bei DaimlerChrysler  .

Wie die Finanznachrichtenagentur "Dow Jones Newswires" am Donnerstag aus Finanzkreisen erfuhr, will Volkswagen den Kauf von LeasePlan "möglichst liquiditätsschonend" vollziehen. Den Preis von rund einer Milliarde Euro kann der Konzern komplett in eigenen Aktien begleichen. Diese könnten demnach vom Emirat übernommen werden. Dafür müsste Volkswagen ein etwa 6,5-prozentiges Paket seiner Stammaktien einsetzen. Sollte Abu Dhabi die Anteile übernehmen, ist das Emirat der zweitgrößte Aktionär nach dem Land Niedersachsen, das 18,2 Prozent der Anteile hält.

"Miserables" erstes Quartal

Europas größter Autokonzern hatte kurz vor Beginn der Hauptversammlung mitgeteilt, dass er sein Leasinggeschäft massiv ausbauen wolle. Die niederländische LeasePlan ist mit rund 1,2 Millionen Fahrzeugen, einer Bilanzsumme von 10,8 Milliarden Euro und einem Nachsteuerergebnis von 193 Millionen Euro im Jahr 2003 Europas Marktführer und gehört zu den größten Flottenmanagementgesellschaften weltweit. LeasePlan gehört bislang der niederländischen Großbank ABN Amro. Der Kaufpreis für Leaseplan beträgt insgesamt zwei Milliarden Euro. Die restlichen 50 Prozent gehen an zwei Investoren in Athen und Abu Dhabi.

Volkswagen habe das erste Quartal wie zuvor angekündigt mit einem "miserablen" Ergebnis abgeschlossen, gestand Pischetsrieder in seiner Rede weiter ein. Neben der schwachen Marktlage zu Jahresbeginn wirkten die Dollar-Schwäche und die zahlreichen Modellanläufe belastend. Konkrete Aussagen zum Ergebnis machte Pischetsrieder nicht. Das Unternehmen hatte in der Vergangenheit allerdings betont, dass der Konzern nicht in die Verlustzone geraten sei.

Deutlich angestiegen seien die Auftragseingänge und Verkaufszahlen des neuen Golf, sagte der VW-Chef. Im März habe die Zahl der Golf-Neuzulassungen um 40 Prozent über denen des Vormonats gelegen. Zur Geschäftsentwicklung bei VW sagte Pischetsrieder, er rechne weiterhin mit einem Anstieg des operativen Ergebnisses vor Sondereinflüssen gegenüber dem Vorjahr.