Volkswagen Bernhard völlig enttäuscht
Frankfurt - Zwar habe der Konzern 2005 mehr Autos der Marke VW verkauft als im Vorjahr, "dennoch schneiden wir auf der Ergebnisseite völlig enttäuschend ab", sagte VW-Markenchef Bernhard der Oldenburger "Nordwest-Zeitung". "Das können wir als Großunternehmen auf Dauer so nicht durchhalten. Unser Unternehmen und damit die Arbeitsplätze sind unsicher, wenn wir aus dieser Situation nicht herauskommen." Volkswagen-Konzernchef Bernd Pischetsrieder hatte noch Ende Dezember verkündet, 2005 bleibe der Kernmarke unter dem Strich ein Gewinn. Im vierten Quartal habe es VW aus der Verlustzone geschafft. Doch auch er hatte bereits drastische Verbesserungen gefordert.
Seit zwei Jahren macht die VW-Markengruppe, zu der auch Skoda, Bentley und Bugatti gehört, Milliardenverluste. Der als Sanierer geholte Bernhard fordert seit Beginn seiner Tätigkeit als VW-Markenchef tief greifende Veränderungen. "Produktqualität und Kosten sind unsere wesentlichen Schwachpunkte, da müssen wir unsere Hausaufgaben machen", bekräftigte er in dem Zeitungsinterview. "Nur so ist unser Markenversprechen einzulösen: Volkswagen sind preiswert, das Volk kann sich unsere Autos leisten."
Bernhard will binnen drei Jahren allein bei der Hausmarke VW die Kosten um fünf Milliarden Euro senken und zwei Milliarden durch Leistungssteigerungen im Vertrieb hereinholen. Die VW-Markengruppe soll künftig um zehn Milliarden Euro günstiger produzieren. Im Interview betonter er darüber hinaus die Bedeutung neuer Automodelle. "Die Kreation neuer Dinge muss im Mittelpunkt stehen, der Kostenaspekt allein wäre zu wenig", sagte er.
Den Aufräumarbeiten im Konzern sollen rund 10.000 Arbeitsplätze zum Opfer fallen. Bernhard blieb zur Frage nach einem weiteren Arbeitsplatzabbau vage. "Zunächst geht es um Prozesse, die müssen wir optimieren, das ist die wesentliche Aufgabe. An einer Spekulation über Zahlen beteiligen wir uns nicht". Auch der Haustarifvertrag könne langfristig kein Tabuthema sein. Wenn sich herausstelle, dass die Maßnahmen, die innerhalb des Haustarifvertrages möglich seien, nicht ausreichten, um das Unternehmen über Wasser zu halten, "dann müssen wir auch den Tarifvertrag hinterfragen".
Ende September hatte sich VW bereits mit den Arbeitnehmern auf den Bau des Golf-Geländewagens in Wolfsburg unterhalb des Tarifs geeinigt. Durch massive Lohnzugeständnisse hatten Betriebsrat und IG Metall verhindert, dass das Auto im Ausland gebaut wird.