Volkswagen Beschäftigte rebellieren gegen Vorstand
Wolfsburg - Arbeiter und Angestellte quittierten die Rede von Personalvorstand Horst Neumann mit Pfiffen und Buhrufen. Neumann hatte versucht, die Belegschaft auf die "Produktivitätsoffensive" des Unternehmens einzuschwören. "Die Situation ist klar und ernüchternd: Unsere Produktivität und Auslastung sind zu niedrig und unsere Arbeitskosten sind zu hoch", sagte Neumann vor rund 25.000 Beschäftigten. "Ein Unternehmen, das kein Geld verdient, kann es sich nicht leisten, 20 Prozent über dem Flächentarif zu zahlen.", erklärte er.
Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh warf der Konzernleitung dagegen einen schlechten Führungsstil und schwere Managementfehler vor. Sie seien die Ursache für die derzeitige Krise. ""Natürlich haben wir auch mit negativen äußeren Einflüssen zu kämpfen, aber die meisten Probleme sind hausgemacht und auf schwerwiegende strategische Fehler wie zum Beispiel eine falsche Modellpolitik oder auf eine übergroße Technikverliebtheit, zurückzuführen".
Osterloh kritisierte auch die widersprüchlichen Äußerungen verschiedener Vorstände in den Medien: "Sortieren Sie sich erst einmal vernünftig untereinander, ehe Sie der Belegschaft, den Kolleginnen und Kollegen, mit irgendwelchen Forderungen kommen." Es sei unbedingt notwendig, endlich damit aufzuhören, durch vage Andeutungen und das Schüren von Gerüchten Angst und Unsicherheit zu verbreiten. "Das ist schlechter Führungsstil und führt nur zur Demotivation, die wir in dieser Situation nun wirklich nicht gebrauchen können", sagte er.
Nicht für Managementfehler bezahlen
Die VW-Belegschaft sei bereit, ihren Teil zum Erfolg der Marke VW und damit zur Sicherung der Arbeitsplätze beizutragen, sagte Osterloh weiter. "Aber sie ist weder bereit, immer wieder für Managementfehler zu bezahlen, noch darf das angekündigte Restrukturierungsprogramm - wie immer es denn aussieht - einseitig zu Lasten der Kollegen gehen", sagte er.
Auf die öffentliche Demontage von Vorstandschef Bernd Pischetsrieder durch den Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch ging er nicht direkt ein. Piëch, der VW selbst jahrelang führte, war von Kritikern verantwortlich gemacht worden, den Konzern in eine Sackgasse geführt zu haben.
VW-Chef Bernd Pischetsrieder hatte gerade am Dienstag beteuert, dass es keine Alternative zu dem harten Sparkurs gebe. VW möchte in den kommenden drei Jahren über Altersteilzeit, Aufhebungsverträge und einen Verkauf von Teilbereichen rund 20.000 Stellen reduzieren. Einzelheiten, wie die Sparziele umgesetzt werden sollen, liegen noch nicht vor.
Nach den Reden von Neumann und Osterloh meldeten sich mit 60 Teilnehmern außergewöhnlich viele zu Wort. "Normalerweise haben wir bei einer Betriebsversammlung zwischen zehn und 20 Diskussionsredner", sagte eine Betriebsratssprecherin.
mik/dpa/ap