Volkswagen Deutsche Werke leben von Auslandstöchtern
Köln - Der Konzernbereich, in dem alle Geschäfte und Aktivitäten in Deutschland zusammengefasst seien, mache seit 2003 Milliarden-Verluste, sagte Bernhard dem Wirtschaftsmagazin "Capital". VW spiegele ein Stück weit die Probleme in ganz Deutschland wider, fügte der Manager hinzu. Er betonte, die deutsche Industrie müsse in der Lage sein, auch bei schwachem Dollar-Kurs mit Gewinn aus Deutschland heraus zu exportieren.
Die Produktivität der deutschen VW-Fabriken sei aber derzeit meilenweit von ihren schärfsten Wettbewerbern im Volumensegment entfernt. Diese brauchten im Schnitt 25 Stunden oder weniger, um ein Auto zusammenzubauen, sagte Bernhard. "VW aber benötigt 50 Stunden." Die Konsequenz daraus sei, so unterstrich Bernhard, dass "VW entweder Standorte in Frage stellen müsse, oder die Art und Weise, wie sie arbeiten". Mit den jetzigen Produktivitätszahlen könne VW langfristig nicht überleben. Für den nötigen Umbau der Fertigung und der zu aufwendigen Konstruktion brauche VW drei Jahre, "wenn wir richtig Gas geben".
Ein weiteres Problem sei der VW-Haustarif, fügte der Manager hinzu. In Wolfsburg seien die Lohnkosten acht Mal so hoch wie in Osteuropa. Höheren Löhnen müsse eine entsprechende Produktivität gegenüber stehen. Das sei aber derzeit nicht der Fall. Wie hoch der notwendige Personalabbau ausfallen werde, wollte Bernhard dem Bericht zufolge nicht sagen: "Sicher ist aber, dass es ohne große Veränderungen nicht funktionieren wird". In den westdeutschen VW-Standorten Wolfsburg, Emden, Hannover, Kassel, Braunschweig und Salzgitter sind derzeit 100.200 Mitarbeiter beschäftigt.
Kritik übte Bernhard auch an der bisherigen Modellpolitik. "Ein Volumenhersteller, der glaubt, er könne sich in Luxus flüchten, weil dort die Früchte noch saftiger sind, unterliegt einem Irrglauben", betonte er. Er wage zu behaupten: "Auch dort werden die fetten Jahre bald zu Ende gehen."