Volkswagen: Die Front der Maximalforderer bröckelt - DER SPIEGEL
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Volkswagen Die Front der Maximalforderer bröckelt

Die Verhandlungen zwischen der Konzernführung von Volkswagen und der Belegschaft treten auf der Stelle. Noch fordert die IG-Metall eine Beschäftigungsgarantie plus Lohnerhöhungen. Doch immer mehr VW-Werker wären schon zufrieden, wenn ihr Job auch in Zukunft gesichert wäre.
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Hannover - Die Sicherung des Arbeitsplatzes sei ihr lieber als mögliche Lohnerhöhungen, sagt Werkzeugmechanikerin Tanja Buchmeier. Mit einer Nullrunde kann die allein erziehende Mutter notfalls leben. "Hier geht's nicht um Kohle, hier geht's um Arbeitsplätze", pflichtet ihr Betriebsratmitglied Klaus Pietann bei. Seine größte Angst ist, dass die Belegschaft "nach und nach" ausgedünnt wird. Auch er würde eine Nullrunde akzeptieren, wenn das Management gleichzeitig Arbeitsplatzgarantien gibt.

Zurzeit herrscht unter den Beschäftigten noch gespannte Erwartung. Am Montagabend waren die Gespräche für die rund 103.000 Mitarbeiter der sechs westdeutschen Werke nach mehr als acht Stunden unterbrochen worden. Mit dem Druck von Warnstreiks bei VW in Hannover und Wolfsburg will die IG Metall das VW-Management zu konstruktiven Verhandlungen bewegen. Die Konzernleitung fordert eine Senkung der Personalkosten in den sechs westdeutschen Werken um zwei Milliarden Euro bis 2011. Dazu sollen die Beschäftigten unter anderem für zwei Jahre auf Lohnerhöhungen verzichten. Die Gewerkschaft ist nur bei einer langfristigen Beschäftigungsgarantie zu Zugeständnissen bereit und fordert eine Lohnerhöhung um zwei Prozent.

Bereits am Montag waren die Verhandlungen von Warnstreiks und Protestaktionen an den VW-Standorten Braunschweig, Baunatal bei Kassel, Emden und Wolfsburg begleitet worden. Allein im Stammwerk Wolfsburg unterbrachen nach Gewerkschaftsangaben rund 35.000 Mitarbeiter ihre Arbeit, um so genannte Informationsveranstaltungen zu besuchen. Heute Mittag wollen Tausende in Wolfsburg in einen Warnstreik treten.

Die Angst um Arbeitsplätze geht um. "Was VW will, geht nicht", sagt Rolf Meier, Mitglied des Betriebsrats im Werk Hannover. Dank der Warnstreiks übe die Belegschaft den notwendigen Druck auf die Konzernleitung aus. Überzeugungsarbeit müssten seine Betriebsratkollegen bei den Mitarbeitern nicht leisten: "Die gehen von alleine raus."

Wütend sind viele Arbeitnehmer, weil sie für Fehler bezahlen sollen, die ihrer Meinung nach den Managern zuzuschreiben sind. Schuld an der Misere sei die verfehlte Modellpolitik des Unternehmens, klagt ein VW-Mitarbeiter. Volkswagen fehle schlicht ein preiswertes Auto für junge Menschen, wie es einstmals der Käfer gewesen sei. Ähnlich sauer auf das Management sind viele Beschäftigte des hannoverschen Nutzfahrzeugewerks von VW. Rund 6000 von ihnen hatten bereits am Morgen ihre Arbeit für zwei Stunden niedergelegt. Geschlossen marschierten sie aus den Werkhallen hinaus zum nahe gelegenen Stöckener Marktplatz, um gegen die Haltung der Unternehmensführung in den laufenden Tarifverhandlungen zu demonstrieren.

Geschockt sei er, weil es in den Verhandlungen nicht richtig voran gehe, sagt Klaus Krüger. Der 50-Jährige arbeitet bereits seit 26 Jahren für VW. Dass sich Gewerkschaft und Management noch vor der Aufsichtsratsitzung am 12. November einigen, glaubt er nicht. Deshalb rechne er mit einer Urabstimmung über einen Streik.

In der Unternehmensgeschichte ist es bislang allerdings erst einmal so weit gekommen: 1978 hatte die IG Metall Urabstimmungen abgehalten. Weit mehr als drei Viertel der Beschäftigten wollte damals in den Streik treten. Dazu kam es dann aber nicht. Noch bevor der Streik ausgerufen wurde, einigten sich die Tarifparteien.