Volkswagen: Einigung im Tarifpoker - DER SPIEGEL
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Volkswagen Einigung im Tarifpoker

Der Tarifstreit bei Volkswagen hat ein Ende. Management und IG Metall einigten sich nach harten Verhandlungen auf einen Kompromiss.
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Hannover - Im Tarifstreit beim Automobilhersteller Volkswagen   haben Gewerkschaft und Arbeitgeber einen Kompromiss erzielt. Im Kern sieht die Einigung den Verzicht auf Gehaltserhöhungen bis 31. Juli 2007 vor.

Im Gegenzug werde Volkswagen bis Ende 2011 keine betriebsbedingten Kündigungen in den sechs westdeutschen Werken aussprechen, sagte IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine am Mittwoch in Hannover. Zudem sollen die Beschäftigten im März eine Einmalzahlung von 1000 Euro erhalten.

Außerdem werden neu eingestellte Mitarbeiter niedriger bezahlt. Für sie gilt die Größenordnung des Flächentarifvertrags. Bislang zahlt VW übertarifliche Löhne.

Volkswagen spart eine Milliarde Euro

Volkswagen kann nach eigenen Angaben durch den erzielten Tarifkompromiss bis 2011 wie gewünscht Kosteneinsparungen in Höhe von einer Milliarde Euro realisieren. Das Unternehmen habe bei den Verhandlungen den "Zielkorridor von einer Milliarde" für die Tarifrunde erzielt, sagte VW-Chefunterhändler Josef-Fidelis Senn am Mittwoch im Anschluss an die Verhandlungen mit der IG Metall.

Die komplette Summe werde ab 2006 jährlich eingespart. Bis 2011 will der Konzern die Personalkosten insgesamt um zwei Milliarden Euro senken. Die Vereinbarungen über die zweite Milliarde sollen in folgenden Tarifrunden noch geklärt werden.

"Wir haben einige Kröten schlucken müssen", kommentierte Meine das Ergebnis. Er sprach dennoch von einem "ehrlichen Kompromiss" nach einer "knallharten Tarifrunde". Ohne den Druck durch die Warnstreiks der Beschäftigten wäre das Ergebnis nicht möglich gewesen. Über weitere Details will die Gewerkschaft am Donnerstag informieren. "Ich habe selten eine so schwierige Runde gefahren", fasste Senn seinerseits die Verhandlungen zusammen.

Gleichzeitig forderte der Verhandlungsführer auch einen freiwilligen Gehaltsverzicht der Konzernführung: "Die Herren Manager dürfen nicht wie bisher mit Boni rausgehen."

Neben dem Lohnverzicht durch die Belegschaft wird es eine stärkere Flexibilisierung der Arbeitszeit geben. Die Arbeitskonten dürfen künftig 400 Stunden ins Plus oder Minus überzogen werden.

Meine sagte weiter, auch bei der Frage der Übernahme der Auszubildenden sei ein Kompromiss gefunden worden. Alle heutigen Auszubildenden würden unbefristet übernommen. Von denjenigen, die im September kommenden Jahres eine Ausbildung bei VW beginnen werden, würden 85 Prozent übernommen. Die restlichen 15 Prozent sollen bei einer VW-Tochter eine unbefristete Beschäftigung finden.

Wie der Gewerkschafter erklärte, hat die die Verhandlungskommission der IG Metall dem Ergebnis zugestimmt. Das letzte Wort hat die Tarifkommission, die am kommenden Freitag zusammenkommt.

Reaktionen: "Ein sehr positives Signal"

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hat die Tarifeinigung bei Volkswagen als ein "sehr positives Signal für den Standort Deutschland" bezeichnet. Clement sagte am Mittwoch in Berlin, vor allem zeige man damit der internationalen Wirtschaftswelt, dass Deutschland - anders als andere Länder - in der Lage sei, seine Probleme auch ohne Arbeitskampf zu lösen.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat die Einigung bei Volkswagen als "positives Signal für den Autostandort Deutschland" begrüßt. "Uns fällt ein tonnenschwerer Stein vom Herzen", sagte VDA-Präsident Bernd Gottschalk am Mittwoch in Frankfurt.

Die sechste Verhandlungsrunde im Tarifstreit für die 103.000 Mitarbeiter in den sechs westdeutschen VW-Werken hatte am Montag in Hannover begonnen und war nach Warnstreiks im Stammwerk in Wolfsburg sowie in Hannover am Dienstag fortgesetzt worden. Die IG Metall hatte zuletzt zwei Prozent mehr Lohn sowie eine Arbeitsplatzgarantie gefordert. Der mit herben Ertragseinbrüchen kämpfende Wolfsburger Autobauer verlangte eine zweijährige Nullrunde sowie Kosteneinsparungen in Höhe von einer Milliarde Euro.