Volkswagen: Fonds meutern gegen Piëch - DER SPIEGEL
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Volkswagen Fonds meutern gegen Piëch

Volkswagen-Chef Ferdinand Piëch muss auf der Hauptversammlung mit Ärger rechnen. Mächtige Investmentfonds wollen die Gunst der Stunde für eigene Spekulationen nutzen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Die Gelegenheit dazu erhalten sie durch die Absicht von VW, sich von den Aktionären ein weiteres Mal den Kauf von zehn Prozent der eigenen Aktien genehmigen zu lassen. Der Hedge Funds Liverpool Limited Partnership hat schon im Voraus sein Veto dagegen angekündigt.

Liverpool hat für sein Vorhaben bereits mächtige Verbündete gewonnen. Dazu gehört Union Investment, die Fondsgesellschaft der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken. "Wir werden auf der VW-Hauptversammlung bei dem entsprechenden Tagesordnungspunkt mit Nein stimmen", kündigte ein Union-Sprecher an. Union will erreichen, dass Piëch nur eine Ermächtigung zum Erwerb stimmrechtsloser Vorzugsaktien bekommt.

Die Motive für die Blockade sind bei beiden Fonds die gleichen. Sie spekulieren darauf, dass VW-Vorzugsaktien in Stammaktien umgewandelt werden, was ihren Wert stark erhöhen würde. Derzeit notieren die Stammaktien bei rund 58 Euro, während die Vorzugsaktie 38 Euro wert ist.

Für VW würde ein Rückkauf von Vorzügen allerdings keinen Sinn machen, denn sie hätten keinen Wert als Akquisitionswährung. Die aber braucht der Konzern, um seinen Anteil an dem schwedischen Lkw-Hersteller Scania aufzustocken. Bei VW geht man davon aus, dass Liverpool darauf spekuliert, als Preis für seine Zustimmung zum Aktienrückkauf die rund 500.000 Vorzugsaktien im eigenen Besitz in Stammaktien umgewandelt zu bekommen. Dies lehnt der Konzern jedoch strikt ab.

Mit realistischen Chancen für ihren Vorstoß rechnen die Fonds ohnehin nicht. Nach Einschätzung von Union-Investment-Manager Christoph Bruns wird das Land Niedersachsen, mit 19 Prozent der Stammaktien größter Einzelaktionär bei VW, einer Umwandlung nicht zustimmen. Denn das würde den Stimmenanteil des Bundeslandes reduzieren. Durch das VW-Gesetz kann kein Investor mehr als 20 Prozent der Stimmrechte ausüben. "Mehrere Aktionäre zusammen könnten Niedersachsen überstimmen", sagt Bruns, auch wenn er diese Möglichkeit für wenig wahrscheinlich hält.

Trotzdem sollte Piëch seine Gegner nicht unterschätzen. Liverpool Invest gehört zu Elliot Associates, einer Vermögensverwaltung mit Sitz auf den Bahamas mit rund 1,8 Milliarden Euro. Bei einer Spekulation mit Staatsanleihen hatte Elliot 1996 die Regierung von Peru in die Knie gezwungen.