Volkswagen: Produktionsprobleme beim Golf - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Volkswagen Produktionsprobleme beim Golf

VW-Chef Bernd Pitschetsrieder muss dieses Jahr eine Hiobsbotschaft nach der nächsten überbringen. Die Gewinne brechen ein, der Phaeton verkauft sich nicht und jetzt gerät auch noch die Produktion des Hoffnungsträgers Golf ins Hintertreffen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wolfsburg - Wegen Produktionsproblemen werde VW das Absatzziel für sein wichtigstes Modell verfehlen, sagte Pischetsrieder der "Wolfsburger Allgemeinen" in einem Interview. Bis zum Jahresende würden 25.000 neue Golf weniger gebaut als die geplanten 135.000. "Zurzeit laufen wir der anvisierten Golf-Anlaufkurve um zwölf Tage hinterher." Der VW-Chef hält dies aber für kein großes Problem. Er habe noch bei keinem Autohersteller einen perfekten Modell-Anlauf erlebt.

Der neue Golf, in den VW nach einem schwachen Jahr 2003 den Großteil seiner Hoffnungen auf eine Ertragswende setzt, war Mitte Oktober in den Handel gekommen. Mit bislang mehr als 22 Millionen verkauften Exemplaren aller Modellgenerationen ist der Golf noch vor dem Käfer das erfolgreichste Auto von VW.

Pischetsrieder sagte, die Resonanz der Händler und Kunden auf den Golf V sei bislang hervorragend. Er sei daher zuversichtlich, dass VW das für 2004 gesteckte Absatzziel von 600 000 Golf erreiche. "Allerdings schwächelt die Konjunktur noch immer. Es ist deshalb nicht so, dass sich die Aufträge bis an die Decke stapeln - das war beim Start des Golf A4 noch ganz anders."

Der VW-Chef sagte der Zeitung zudem, der Volkswagen-Konzern strebe für 2004 weltweit eine Absatzsteigerung von derzeit fünf Millionen Fahrzeugen auf 5,3 Millionen Autos an. Diese Prognose ist aber seinen Worten zufolge unsicher. Gründe seien Währungsrisiken, die Gefahr, dass die Konjunktur nicht anspringe, und das Steuerpaket, dessen Wirkung noch niemand absehen könne.

Große Hoffnungen setzt Pischetsrieder in das geplante Premium-Modell C 1, das 2007 auf den Markt kommen soll. Es ist zwischen Passat und dem Phaeton angesiedelt und als VW-Offensive gegen die Mercedes C-Klasse und die BMW-5-er-Reihe gedacht. Weltweit würden jährlich in der C-Klasse Ergebnisbeiträge von 61 Milliarden Euro erzielt. In der Golf- A-Klasse seien es nur 30 Milliarden Euro.

Die Einführung des Luxusmodell Phaeton ist dagegen kläglich gescheitert. Statt der ursprünglich geplanten 12.000 bis 14.000 Fahzeuge kann VW nach SPIEGEL-Informationen in diesem Jahr gerade mal 6000 Oberklasse-Limousinen verkaufen. Vergleichbare Fahrzeuge der Konkurrenz erreichten rund zehnmal so hohe Absatzzahlen.

2003 wird Volkswagen beim operativen Ergebnis nicht einmal die Hälfte des Vorjahreswerts von 4,76 Milliarden Euro erreichen. Gründe sind früheren Angaben zufolge der starke Euro, der flaue Absatz, hohe Investitionen in neue Modelle und teure Probleme in Brasilien. Bis Ende September war das operative Ergebnis um 53,4 Prozent auf 1,73 Milliarden Euro eingebrochen.

Verwandte Artikel