Volkswagen-Quartalszahlen Gewinne steigen, Probleme bleiben
Wolfsburg - Ihr operatives Ergebnis wollten die Wolfsburger als Signal verstanden wissen: Im ersten Halbjahr 2005 ist der Gewinn um fast zwei Drittel auf 1,37 Milliarden Euro gestiegen, vor allem die Entwicklung im zweiten Quartal lag über den Erwartungen der Börse. Mit seinem Milliarden-Sparprogramm wirkt.
Doch die Kernprobleme sind noch nicht gelöst. Die Kosten gelten im Vergleich zu Konkurrenten als weiterhin zu hoch, in zentralen Märkten wie den USA und China macht der Konzern wegen massiver Absatzprobleme Verluste. Der Autobauer werde in diesem Jahr und auch 2006 in Nordamerika mit einem Verlust abschließen, räumte Konzernchef Bernd Pischetsrieder ein. "Wir rechnen nicht damit, im nächsten Jahr die Gewinnschwelle in Nordamerika zu erreichen". Auch die Kernmarke VW schreibt nach wie vor rote Zahlen - es bleibt also viel zu tun für Konzernchef Bernd Pischetsrieder und seinen VW-Sanierer Wolfgang Bernhard. "Es ist noch ein langer Weg zu gehen", sagte Pischetsrieder.
Wettbewerbsdruck wird zunehmen
Einfach wird dieser Weg nicht, auch wenn sich die Wogen der Korruptionsaffäre vorerst etwas geglättet haben. Der Wettbewerbsdruck wird aus VW-Sicht eher noch zunehmen, die Stahlkosten blieben auf hohem Niveau, zudem drohten die hohen Benzinpreise die Kaufbereitschaft der Autokunden weiter zu trüben.
Die VW-Führung hat bereits mit einem noch schärferen Sparkurs reagiert. Nach dem Auslaufen des im Frühjahr 2004 gestarteten Sparprogramms "ForMotion" Ende des Jahres - mit einem Volumen von mehr als vier Milliarden Euro - kommt nun "ForMotion plus". Branchenkreisen zufolge will der Konzern in den kommenden drei bis vier Jahren rund zehn Milliarden Euro einsparen. Damit soll sich das konzernweite Nettoergebnis bis Ende 2008 um vier Milliarden Euro verbessern.
Neue Modelle gefragt
"Kosten runter", heißt also mehr denn je die Devise bei Volkswagen - vor allem bei der verlustreichen Kernmarke VW. Die vordringliche Aufgabe bleibe es, die hohen Kosten, die Überkapazitäten sowie die Märkte in Nordamerika und Asien in den Griff zu bekommen, sagt VW-Analyst Frank Schwope von der Nord/LB. Zudem brauche der Konzern neue Modelle und müsse sich stärker in Marktnischen engagieren.
Die Restrukturierungsstrategie des Autobauers hält Schwope für durchaus Erfolg versprechend. Die Botschaft Bernhards lautet: "Jeder Stein wird umgedreht." So sollen künftig die Entwicklungs- und Produktionskosten sämtlicher neuer Modelle unter denen des Vorgängers liegen, die Qualität soll dennoch besser, der Vertrieb effizienter werden. Die Spesenaffäre und der Rücktritt von Arbeitsdirektor Hartz eröffneten der VW-Führung dabei mehr Freiraum und eine bessere Verhandlungsposition, sagt Schwope. Allerdings werde der neue Betriebsratschef Bernd Osterloh nun innerhalb der Belegschaft "Stärke" zeigen müssen. Ein starker Betriebsrat müsse aber kein Nachteil für VW sein.
Die VW-Affäre sei "eine große Chance, VW zu entschlacken, meint auch der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der FH Gelsenkirchen. Insbesondere die Überkapazität verhindere Profitabilität - VW könne mit 15.000 Mitarbeitern weniger auskommen. Volkswagen selbst bezeichnet derartige Horrorzahlen stets als "rein spekulativ", ebenso wie Gerüchte über das bevorstehende Aus für das Werk Brüssel - doch zugleich heißt es in Wolfsburg, VW-Sanierer Bernhard müsse sich derzeit alle Optionen offen halten.