Vorzugsaktien SAP räumt auf
Walldorf - Noch in diesem Jahr sollen die stimmlosen Vorzugsaktien in stimmberechtigte Stammaktien umgewandelt werden, teilte SAP mit. "Nach der Umstellung gilt auch für die SAP der Grundsatz 'eine Aktie - eine Stimme'", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Dietmar Hopp.
Man wolle mit dem Schritt die Kapitalstruktur des Unternehmens vereinfachen, hieß es in der Mitteilung vom Mittwochmorgen. Mit der Umstellung steige die Zahl der stimmberechtigten Stammaktien von derzeit 183 Millionen auf 314,7 Millionen Stück. Der Anteil der Gründungsaktionäre am stimmberechtigten Kapital verringere sich damit von derzeit mehr als 63 auf ungefähr 39 Prozent. Die Gründer beabsichtigten aber keine wesentlichen Veränderungen.
Die Reaktion der Börse kam prompt. Der Kurs der Stammaktie schnellte im Vergleich zum Vortag am Mittwochmorgen von rund 135 Euro um fast 20 Prozent auf nahezu 160 Euro hoch. Die Vorzüge dagegen fielen von 172 Euro auf 163 Euro.
Die Umstellung sei seit langem fällig gewesen, sagte Analyst Martin Kruse von der Hamburger Sparkasse gegenüber SPIEGEL ONLINE. Sich von der Vorzugsaktien zu verabschieden, sei eine uralte Forderung ausländischer Investoren und zahlreicher Aktionärsvertreter. Sie hätten nur widerwillig diese deutsche Eigenart akzeptiert, bei der Geld in ein Unternehmen gesteckt, aber keine Mitbestimmung eingeräumt wird. Zum Ausgleich für diese Entmündigung erhielten Vorzugaktionäre eine etwas höhere Dividende, erklärte Kruse.
Dieser Unterschied wird künftig bei SAP wegfallen. Wenn die Hauptversammlung am 3. Mai dem Ende der Vorzugpapiere zu einem noch unbekannten Stichtag zustimmt, dann werden nach den Plänen alle Aktionäre eine einheitliche Dividende erhalten, die sich im Niveau an der Vorzugsaktie orientieren soll. 2000 zahlte SAP je Vorzugpapier 1,60 Euro und je Stammaktie 1,57 Euro.
Kruse erwartet von der Umstellung nur positive Auswirkungen auf den Kurs. Bislang sei der Handel mit SAP-Papieren teilweise gehemmt gewesen. Die Stämme seien fast Kellerkinder gewesen, während die Vorzüge wegen ihrer Dax-Listung rege ge- und verkauft worden seien, sagte Kruse. Die Notierung der stimmlosen Anteile im Dax sei auch ein Grund dafür, dass die Walldorfer Softwareschmiede in keinem führenden Stoxx-Index vertreten sei. Das könne sich nun ändern.
"Es ist auch deshalb eine saubere Sache, weil nun mehr Aktien als zuvor in den Mittelpunkt des Handels rücken", fuhr Kruse fort. Statt 131,7 Million Vorzugsaktien gebe es künftig 314,7 Millionen gleichberechtigte Anteilsscheine. Das steigere die Liquidität des Papiers und wirke sich positiv auf den Kurs aus.