VW-Affäre: Ex-Mitarbeiter droht mit weiteren Enthüllungen - DER SPIEGEL
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VW-Affäre Ex-Mitarbeiter droht mit weiteren Enthüllungen

In der VW-Affäre will einer der Hauptakteure laut einem Pressebericht auspacken. Der im Mittelpunkt des Schmiergeldskandals stehende frühere Skoda-Personalchef Helmuth Schuster droht demnach mit neuen Enthüllungen.
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Düsseldorf/Hannover/Braunschweig - Schuster verhandele mit deutschen Verlagen über eine Serie aus dem Innenleben des Automobilkonzerns, schreibt die "Wirtschaftswoche". Eine Bestätigung gibt es dafür bisher nicht.

Schuster gilt als langjähriger enger Vertrauter von Personalchef Peter Hartz, der wegen der Affäre in der vergangenen Woche seinen Rücktritt angeboten hatte. Neben seinem Job bei Skoda war Schuster bis zu seinem Rücktritt zuletzt Indien-Beauftragter des Konzerns sowie für den VW-Pensionsfonds zuständig. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue gegen Schuster und dessen früheren Mitarbeiter Klaus-Joachim Gebauer.

Laut Volkswagen soll Gebauer bereits eng mit der Presse zusammenarbeiten. "Wir müssen davon ausgehen, dass der gekündigte Mitarbeiter gezielt Informationen an die Medien weitergegeben hat. Es gibt von der Presse Hinweise, dass er die Medien mit Details über Vorgänge füttert, die er selbst eingeleitet hat oder an denen er zumindest beteiligt war", schrieb VW-Chef Bernd Pischetsrieder gestern in einem Brief an die Volkswagen-Belegschaft.

Im Zuge der Bestechungsaffäre beginnen die Ermittler heute mit den Zeugenvernehmungen. Das sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig, Joachim Geyer. Nähere Angaben zu den Personen und den Orten, an denen die Vernehmungen stattfinden, machte er nicht.

Entscheidung über Hartz-Nachfolger

Neue Enthüllungen kann Volkswagen kaum gebrauchen, zumal die Verantwortlichen bemüht sind, die Affäre einzugrenzen. Das Aufsichtsratspräsidium des Konzerns entscheidet morgen über das Rücktrittsangebot von Hartz. In der Sitzung falle eventuell bereits eine Vorentscheidung über einen Nachfolger, sagte der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU).

Dem vierköpfigen Gremium gehören neben Wulff auch IG-Metall-Chef Jürgen Peters und der Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch an. Komplettiert wird das Quartett durch den neuen VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh. Er wurde heute vom Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung zum Mitglied des Präsidiums des Aufsichtsrates gewählt. Der 48-Jährige tritt damit die Nachfolge von Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert an, der im Zuge der Affäre seine Ämter niedergelegt hatte.

Piëch in der Kritik

Vor allem der Aufsichtsratsvorsitzende Piëch gerät zusehends unter Druck. "Das Beispiel Piëch zeigt: Es ist nicht unbedingt gut, wenn ehemalige Vorstandsvorsitzende direkt auf den Aufsichtsratsvorsitz gehievt werden. Es besteht dann immer die Gefahr, dass falsche Entscheidungen der Vergangenheit zu lange gedeckt werden", sagte der stellvertretende FDP-Partei- und Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle der Zeitung "Die Welt".

Bereits gestern hatte sich der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer für einen Rücktritt Piëchs ausgesprochen. Im Aufsichtsrat sei eine "Neuausrichtung" nötig, sagte Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der FH Gelsenkirchen, der Nachrichtenagentur dpa. Bei dieser Neuausrichtung sollte auch ein neuer Vorsitzender gewählt werden, der unbelastet von den Vorstandsentscheidungen der vergangenen zehn Jahre seine Kontrollfunktion wahrnehme. "Die Abhängigkeiten und Verflechtungen aus der Ära Piëch sind noch zu groß bei VW", sagte Dudenhöffer. Der Konzern müsse mit neuer Kraft seine Neuausrichtung stärken.

Die niedersächsische Landesregierung als größter Aktionär des Autobauers wollte sich zu den Vorwürfen gegen Piëch nicht äußern. "Wir wollen uns nicht an Spekulationen beteiligen", sagte ein Sprecher SPIEGEL ONLINE.

Während Piëchs Zeit als Vorstandschef von 1993 bis 2002 wurde das fast schon legendäre "System Volkswagen" manifestiert - die enge Beziehung zwischen Management, Betriebsrat und Gewerkschaft. Seit Beginn der VW-Affäre vor mehr als zwei Wochen hält sich der Chefkontrolleur bedeckt. Nur ein einziges Mal meldete er sich öffentlich zu Wort: Kategorisch lehnte Piëch Anfang Juli einen Rücktritt von VW-Personalvorstand Peter Hartz ab, den er 1993 zu Volkswagen geholt hatte.