VW-Beriebsrat "Pischetsrieder wird neue Akzente setzen"
Wolfsburg - "Falls sich die Vertriebszahlen in den ohnehin etwas schwächeren Wintermonaten nicht wie erwartet entwickeln, könnte man die Arbeitszeitkonten nutzen und vor oder nach Weihnachten Ferien machen. Da haben ohnehin viele Beschäftigte Urlaub eingereicht", sagte der Vorsitzende des VW-Betriebsrats, Klaus Volkert. VW hatte Anfang Oktober die Produktion in Emden und Wolfsburg für eine Woche angehalten.
"Der Absatz könnte besser sein, aber es ist noch nicht so, dass wir uns ernsthafte Sorgen machen", betonte er. "Wenn nicht ganz katastrophale Dinge passieren, sehen wir weltweit im Konzern keine Notwendigkeit für eine Werksschließung."
Volkert forderte den VW-Vorstand auf, mögliche Folgen der weltweiten Abschwächung der Konjunktur für das Unternehmen gerecht auf alle Konzernstandorte zu verteilen. "Es ist nicht einzusehen, dass deutsche Beschäftigte nur 28,8 Stunden fahren und anderswo mit 40 und 42 Stunden weiter gearbeitet wird. Reduzierung hier und Volumenproduktion dort darf es nicht geben. Wir werden die Probleme, die ein Unternehmen wie Volkswagen möglicherweise bekommt, nicht mehr national regeln können. Das bedeutet, aus der atmenden Fabrik den atmenden Konzern zu machen."
Zu den anstehenden Konzernplanungen für die Investitionen der nächsten Jahre ("Planungsrunde 50") sagte Volkert: "Sie sieht nicht schlecht aus." Absehbar seien wie in den Vorjahren rund 60 Milliarden Mark.
Dabei werde Bernd Pischetsrieder bereits neue Akzente setzen. "Mit der Komponentenfertigung, die bei Ferdinand Piëch kein Schwerpunkt war, kann man Geld verdienen. Wir haben bewiesen, dass sich das hausintern rechnet. (...) Bisher hatte der Vorstand für 80.000 Leute in diesem Bereich keine ausreichende Strategie. Wir haben aber das Gefühl, dass das unter Pischetsrieder anders wird."
Investiert werden müsse auch in eine "qualitativ gute Mannschaft, die nicht auf den Bäumen wächst. Wir bekommen im VW-Konzern nicht nur in Deutschland eine überalterte Belegschaft. Deshalb muss man sich jetzt fragen: Wollen wir in ein paar Jahren ein hochwertiges Produkt mit 60 bis 65 Jahre alten Montagearbeitern herstellen? Sicher nicht."
Volkert räumte ein, dass die Produktplanung des Unternehmens in den letzten Jahren Lücken zum Beispiel bei einem Minivan gehabt habe. "Es ist spät, aber nicht zu spät. Mich beruhigt, dass sich der auch relativ spät angebotene Sharan die Marktführerschaft erobert hat. Warum soll uns das nicht bei anderen Fahrzeugen auch gelingen?"
Zum in die Jahre gekommenen Golf (A4) sagte der Betriebsratsvorsitzende: "Das ist ein phantastisches Auto. Es hätte uns auch nicht geschadet, den A5 ein bisschen früher zu bringen." Es gebe für den Golf aber eine "Reihe von Überlegungen" in Sachen Marketing.
Die angeblichen VW-Pläne für einen Formel-1-Einstieg bezeichnete Volkert als Schnapsidee. Zwar sei Pischetsrieders Schwäche für den Motorsport bekannt. Er hatte als BMW-Chef den Einstieg der Münchner ins Rennsport-Geschäft vorbereitet. "Aber das kostet viele Millionen. Über so etwas kann man sich dann unterhalten, wenn wir mal nicht wissen sollten, wohin mit dem Geld. Aber im Augenblick sehe ich das wirklich nicht", sagte Volkert, der auch im VW-Aufsichtsrat sitzt. Dem Magazin "Stern" hatte Pischetsrieder gesagt: "Jeder weiß, dass ich ein eingefleischter Formel-1-Fan bin." Nach Informationen der Zeitschrift stehe schon ein Formel-1-tauglicher VW-Motor zur Verfügung. Der noch amtierende VW-Chef Piëch hatte einen Formel-1-Einstieg des Unternehmens immer strikt abgelehnt und als "Geldvernichtung" bezeichnet.