VW Bernhard will Verlustbringer loswerden
Hamburg - "Für die Bereiche, die weit von der Wettbewerbsfähigkeit entfernt sind, müssen wir Schließungen ins Auge fassen", sagte Markenchef Wolfgang Bernhard der Mitarbeiterzeitung "Autogramm". Oder aber man müsse einen Partner finden, "der die Bereiche übernimmt".
"Wir alle sind gefordert", betonte Bernhard in dem Extrablatt der Zeitung. VW habe Produktivitätsnachteile von bis zu 50 Prozent gegenüber der Konkurrenz. Europaweit habe Volkswagen Überkapazitäten von rund 20 Prozent. Die Lage sei erst, erklärte Bernhard. Die traditionellen Volkswagen-Werke hätten einen dreistelligen Millionenbetrag als Verlust eingefahren. Ein Ausgleich habe nur erreicht werden können, weil andere Unternehmensbereiche dieses Defizit wieder ausgeglichen hätten.
In den kommenden drei Jahren solle die Produktivität um bis zu 30 Prozent verbessert werden. Personalvorstand Horst Neumann kündigte in dem Interview an, noch diese Woche dem Betriebsrat Untersuchungen und Wettbewerbsvergleiche vorzulegen, um darüber zu beraten. Man wolle zügig zu einem Ergebnis kommen. Markenchef Bernhard erklärte auf die Frage nach der Perspektive für die Beschäftigten: "Wir müssen jetzt schmerzhafte Veränderungen in Kauf nehmen."
Betriebsrat moniert schlechten Führungsstil
Der Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh zeigte sich empört über Bernhards Ankündigungen. "Einfach das Tafelsilber zu verscherbeln, hat nichts mit intelligentem Management zu tun. Das kann jeder auf dem Flohmarkt", schrieb Osterloh in einem Brief an die Belegschaft.
Die Beschäftigten seien bereit, das Unternehmen wettbewerbsfähig zu machen, erklärt Osterloh darin. Schuld an der Misere sei aber vor allem der schlechte Führungsstil bei VW: "Wir sind nicht mehr bereit, für immer neue Managementfehler zu zahlen." Und weiter: "Managementfehler, die uns in diese Situation gebracht haben, dürfen sich weder mit alten noch mit neuen Köpfen wiederholen." Messlatte für die Gespräche werde sein, dass der Vorstand die im Tarifvertrag vereinbarte Standort- und Beschäftigungssicherung ebenso ernst nehme wie der Betriebsrat die Rendite und Wettbewerbsfähigkeit. Bis 2011 sind dem Tarifvertrag zufolge betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.
VW-Chef Bernd Pischetsrieder hatte am Freitag trotz eines kräftigen Gewinnsprungs ein tief greifendes Umstrukturierungsprogramm angekündigt, von dem bis zu 20.000 Mitarbeiter betroffen sind. Es gehe aber "nicht darum, 20.000 Leute abzubauen", erklärte Pischetsrieder. Man wolle jedoch die Produktivität an den traditionellen Standorten "auf das internationale Maß bringen". Die angekündigte Sanierung könnte für die Beschäftigten mit drastischen Lohneinbußen verbunden sein.
Verschiedene Medien hatten am Wochenende berichtet, die Rückkehr zur Fünf-Tage-Woche stehe jetzt zur Debatte - statt der bisherigen Vier-Tage-Woche mit je 28,8 Stunden. Über die genauen Maßnahmen des Programms will die VW-Spitze in den kommenden Wochen mit den Arbeitnehmervertretern reden.
ase/ap/dpa-AFX