VW-Chef Pischetsrieder: Angezählt, aber aufrecht - DER SPIEGEL
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VW-Chef Pischetsrieder Angezählt, aber aufrecht

Nach der harten Attacke seines Vorgängers Ferdinand Piëch sahen viele den VW-Chef Bernd Pischetsrieder schon abdanken. Doch der Bayer will bleiben und sein Programm zum Erfolg führen - heute tritt er auf der Bilanzpressekonferenz auf.
Von Christian Buchholz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wolfsburg - Wäre Ferdinand Piëch mit dem Volkswagen-Konzern   nicht so eng verwachsen, hätte sein Angriff auf den amtierenden Konzernchef sich auch leicht gegen ihn selbst wenden können. Geschlossen ständen die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat gegen Pischetsrieder, was die Verlängerung von dessen Vertrag zu einer "offenen Frage" mache, hatte Oberkontrolleur Piëch, der auch finanziell bei VW engagiert ist, gegenüber dem "Wall Street Journal" erklärt.

Dass Piëch hinzufügte, er selbst werde für Pischetsrieder stimmen, machte die Angelegenheit nicht harmloser - öffentlich wurde und wird diskutiert, ob und wann der Kritisierte abtreten müsse.

Doch Pischetsrieder will sich nicht kampflos geschlagen geben. "Er will weitermachen und seine Position innerhalb des Konzerns ist so stark, dass dies auch funktionieren kann", erfuhr manager-magazin.de am Vorabend der Pressekonferenz aus Unternehmenskreisen. Unbestritten sei allerdings auch, dass Piëch seine Bemühungen, Pischetsrieder zu entmachten, nicht aufgeben werde. Aber damit werde er - wenn überhaupt - nicht in den nächsten Wochen Erfolg haben.

Pischetsrieder bekräftigte gestern seinen Machtanspruch: "Der Vorstand wird dafür bezahlt, das Unternehmen so aufzustellen, dass es langfristig erfolgreich ist. Mit diesem Verständnis habe ich Volkswagen bisher geführt und werde es auch weiter tun", sagte der 58-Jährige. Er wolle das, was er vor Jahren begonnen habe, zu einem nachhaltigen Erfolg führen.

Betriebsräte, die für die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat sitzen, bestätigen indes Piëchs Aussage: Momentan würden die Belegschaftsvertreter gegen eine Vertragsverlängerung Pischetsrieders stimmen, weil dieser einen "Konfrontationskurs" gegen die Beschäftigten fahre. Insgesamt stehen bei Volkswagen rund 20.000 Arbeitsplätze auf der Kippe.

"Matador Piëch" wird nicht aufgeben

Pischetsrieders Kernargument für den Personalabbau lautet, dass nur ein profitables Unternehmen sichere Arbeitsplätze biete. Wie diese Profitabilität mit dem neuen Sparprogramm "ForMotion plus" erreicht werden soll, dazu wird der Vorstandschef während der Bilanzpressekonferenz sicher Details nennen. Die Rahmendaten lauten: Bis 2008 sollen die Kosten um zehn Milliarden Euro sinken, der Gewinn vor Steuern werde dann auf 5,1 Milliarden Euro steigen. Diese Ziele sollen ohne betriebsbedingte Kündigungen erreicht werden, noch bis 2011 gilt der Zukunftssicherungsvertrag bei Volkswagen, der dies verbietet.

Die Kernzahlen für das Jahr 2005 wurden schon Anfang Februar veröffentlicht: Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen stieg um 54 Prozent auf 3,14 Milliarden Euro. Der Umsatz legte um mehr als 7 Prozent auf 95,3 Milliarden Euro zu. Allein 3,5 Milliarden Euro Ergebnisverbesserung stammten vom Sparprogramm "ForMotion".

Für 2006 versprach Pischetsrieder einen höheren Umsatz und ein verbessertes Ergebnis. Anleger erhoffen hierzu eine genauere Prognose. Entscheidender für Pischetsrieders Zukunft dürfte aber sein, was sich die Arbeitnehmervertreter erhoffen.

Ihr Votum auf der Aufsichtsratssitzung, die für den 19. und 20. April angesetzt ist, hängt entscheidend davon ab, zu welchen Zugeständnissen Pischetsrieder bereit ist. Denn dass der Block momentan gegen eine Vertragsverlängerung für Pischetsrieder ist, kann sich binnen sechs Wochen leicht noch ändern. Sogar, ohne dass die Beteiligten ihr Gesicht verlieren.

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