VW: Deutschland bremst - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

VW Deutschland bremst

Bei der Detroit Motor Show vermelden die Wolfsburger Absatz-Rekorde. Bernd Pischetsrieder, der als neuer VW-Chef gehandelt wird, macht sich Sorgen über die Zukunft.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Detroit - Der Volkswagen-Konzern hat im vergangenen Jahr seinen Absatz gesteigert und dabei nach eigenen Angaben auch seinen Weltmarktanteil ausgebaut. Das Unternehmen teilte am Montag anlässlich der Auto-Ausstellung in Detroit mit, im Jahr 2000 hätten die Auslieferungen aller Marken des Konzerns um 3,9 Prozent auf einen neuen Rekordwert von 5,06 Millionen Fahrzeugen zugenommen. Dadurch habe der Weltmarktanteil der VW-Gruppe auf schätzungsweise 12,2 (Vorjahr 12,0) Prozent zugelegt.

Bernd Pischetsrieder blickt verhalten in die Zukunft

Vorstandsmitglied Jens Neumann sagte, für das laufende Jahr strebe sein Unternehmen auf dem US-Markt für die Marke Volkswagen trotz des erwarteten Marktrückgangs einen erneut deutlichen Absatzzuwachs an. Konzernvorstand Bernd Pischetsrieder äußerte sich gegenüber der "Financial Times Deutschland" für das Jahr 2001 zurückhaltend. Es dürfte schwierig sein, den Absatz im laufenden Jahr noch einmal zu steigern. Allerdings sei nicht das Volumen, sondern das Ergebnis entscheidend.

Volkswagen teilte weiter mit, der Absatz von Pkw der Marke Volkswagen sei im vergangenen Jahr weltweit um 2,3 Prozent auf 3,13 Millionen Fahrzeuge gestiegen, während die Tochter Audi ihre Auslieferungen um 3,0 Prozent auf mehr als 650.000 Fahrzeuge gesteigert habe. Den stärksten Zuwachs habe die Marke Skoda mit einem Plus von 13 Prozent auf 435.400 Fahrzeuge erzielt.

Rückgänge in Deutschland

In Deutschland hätten die Auslieferungen aller Konzernmarken angesichts des stark geschrumpften Marktes um 11,2 Prozent auf 1,025 Millionen Fahrzeuge abgenommen. Der Marktanteil sei aber auf 29,8 (29,7) Prozent gewachsen. Im europäischen Ausland habe der Absatz der Konzernmarken um 3,9 Prozent zugenommen.

In Nordamerika steigerte der VW-Konzern den Absatz aller Marken im vergangenen Jahr um 18,5 Prozent auf rund 657.000 Fahrzeuge. Die Marke VW selbst erreichte auf dem US-Markt ein Absatzplus von 12,6 Prozent auf 355.479 Fahrzeuge und damit auf höchsten Wert seit 1973.

Ein Auto für den eigenwilligen Käufer

Neumann sagte, in Nordamerika zähle Volkswagen nicht zu den Volumenherstellern. Die VW-Produkte richteten sich dort eher an Individualisten, die sich von Kunden etwa von General Motors, Ford oder Chrysler unterscheiden wollten. Insgesamt gehe er davon aus, dass der Absatz der Marke Volkswagen in den USA im laufenden Jahr trotz der erwarteten Abkühlung der Autokonjunktur um fünf bis zehn Prozent wachsen sollte. Sollte der Markt allerdings stärker schrumpfen als erwartet, müsse diese Prognose möglicherweise überarbeitet werden.

Der Euro bremst das Exportgeschäft

Zu dem zuletzt höheren Wechselkurs des Euro zum Dollar sagte Neumann, im Prinzip könnte eine weitere Aufwertung natürlich die Margen im US-Geschäft schwächen. "Aber wir haben unsere Hedging-Politik (zur Absicherung von Wechselkursschwankungen)", sagte Neumann, ohne Einzelheiten der Kurssicherungen zu nennen. Er gehe davon aus, dass es Volkswagen im US-Geschäft auch bei einer möglichen weiteren Aufwertung des Euro gut gehen werde.