VW-Einstieg: Porsche fordert zweistellige Rendite - DER SPIEGEL
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VW-Einstieg Porsche fordert zweistellige Rendite

Der Sportwagenbauer Porsche konkretisiert seine Pläne für Volkswagen. Demnach fordern die Stuttgarter eine Renditeleistung für ihr Engagement bei Europas größtem Autobauer. Ins operative Geschäft will sich Porsche allerdings nicht einschalten.
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Wolfsburg/Frankfurt am Main/Stuttgart - Porsche-Finanzvorstand Holger Härter stellte klar, dass der Sportwagenbauer als künftig größter Aktionär dem VW-Management nicht in das operative Geschäft hineinreden wolle. Porsche werde seinen Einfluss über den Aufsichtsrat geltend machen und Volkswagen strategisch unterstützen, sagte er nach Angaben eines Konzernsprechers gestern Abend bei einem Treffen mit Analysten im italienischen Siena.

Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" strebt Porsche bis zu drei Aufsichtsratsmandate bei VW an. "Wenn Niedersachsen mit 18,2 Prozent der Aktien zwei Mandate hat, dann stünden Porsche als größerem Anteilseigner drei Mandate zu", sagte ein mit dem Vorgang befasster Porsche-Manager der Zeitung.

Porsche werde darauf achten, dass VW bestimmte Renditeziele erfülle, sagte Härter weiter. Dem Sprecher zufolge erwartet Porsche eine zweistellige Rendite auf das eingesetzte Kapital. Diese errechne sich nicht nur aus der Dividendenzahlung, sondern auch aus Synergien durch die Zusammenarbeit von Porsche und VW. Die angestrebte Beteiligung von 20 Prozent wird in der Porsche-Bilanz direkt in der Gewinn- und Verlustrechnung verbucht.

VW erwägt Kapitalerhöhung

Härter äußerte sich nicht zu den Möglichkeiten, wie und in welchem Zeitraum die Beteiligung aufgebaut werden soll. Darüber verhandelt Porsche derzeit mit dem VW-Vorstand. Volkswagen besitzt rund 13 Prozent eigene Anteile, die jedoch nicht direkt an einen Investor verkauft werden dürfen. Der Porsche-Sprecher sagte, die benötigten Aktien sollten aus dem VW-Streubesitz aufgekauft werden. Härter bekräftigte die Aussage, dass Porsche den Einstieg voll aus der vorhandenen Liquidität stemmen werde. Die Finanzierung künftiger Projekte sei nicht gefährdet.

Laut Presseberichten erwägt Volkswagen eine Kapitalerhöhung, um Porsche den angestrebten Einstieg zu erleichtern. Eine Überkreuzbeteiligung der beiden Autokonzerne gelte bei VW dagegen als sehr unwahrscheinlich, berichtete die "Financial Times" ohne Angabe von Quellen. Nach derzeitigen Börsenkursen würde die von Porsche angestrebte Beteiligung rund drei Milliarden Euro kosten.

Gerangel hinter den Kulissen

Zwei Tage nach dem angekündigten VW-Einstieg zeichnet sich unterdessen ein Kampf um die künftige Machtverteilung im VW-Aufsichtsrat ab. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete, macht Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hinter den Kulissen Druck, um den jetzigen VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Großaktionär Ferdinand Piech zum Rückzug zu bewegen. Wulff sei die Doppelrolle des Ex-VW-Chefs, der auch Mitinhaber einer der wichtigsten VW-Händlergruppen in Europa ist, ein Dorn im Auge, schreibt die Zeitung.

Wulff, der ebenfalls dem Kontrollgremium angehört, wolle künftig einen unabhängigen Dritten an der Spitze des Aufsichtsrates positionieren, hieß es weiter. Die niedersächsische Landesregierung sprach von "unseriösen Spekulationen", die man nicht kommentieren wolle. Das Bundesland ist mit 18,2 Prozent größter Eigentümer von Volkswagen.

Piech gilt als treibende Kraft hinter dem Porsche-Einstieg. Er war von 1993 bis 2002 Vorstandschef und investierte Milliarden in die Luxuswagen-Strategie von Volkswagen, die nach Ansicht von Branchenbeobachtern weitgehend gescheitert ist.