VW-Korruptionsaffäre Viel Papier, wenig Durchblick
Hannover - Aufgrund der Komplexität der Vorgänge hätten sich die Prüfer nicht in der Lage gesehen, dem Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates heute bereits belastbare Zwischenergebnisse vorzustellen, teilte Volkswagen in Wolfsburg mit. Mit einem Abschlussbericht der KPMG sei nicht vor Oktober zu rechnen. Einen weiteren Zwischenbericht kündigte VW für die reguläre Aufsichtsratssitzung im September an.
Der Prüfungsausschuss beschloss, Strafantrag zu stellen, um mögliche Begünstigungen des Betriebsrats zu klären. Gegen wen sich der Antrag im Zusammenhang mit hohen Spesenabrechnungen für die Arbeitnehmervertretung richte, teilte VW zunächst nicht mit.
"Ziel unseres Antrages ist es, von unabhängiger Seite klären zu lassen, ob und gegebenenfalls wer gegen die entsprechenden gesetzlichen Vorschriften verstoßen hat", erklärte VW-Chef Bernd Pischetsrieder. Grundlage sei das Betriebsverfassungsgesetz, dem zufolge die Begünstigung eines Betriebsratsmitgliedes mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft wird.
Weder in der Frage eines möglichen Firmengeflechts um den früheren Personalvorstand der VW-Tochter Skoda, Helmuth Schuster, noch in der Frage der mutmaßlichen Begünstigung von Betriebsräten konnten die Wirtschaftsprüfer VW zufolge ein Ergebnisse liefern. "Neben einer komplexen, internationalen Firmen- und Gesellschafterstruktur müssen die Experten große Mengen an Unterlagen und Datenträgern auswerten, davon alleine über 30 Umzugskisten Belege aus Tschechien und zahlreiche Festplatten", erklärte Volkswagen. Umfangreiche Befragungen im In- und Ausland seien außerdem nötig.
Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen Schuster und einen entlassenen Mitarbeiter der Personalabteilung wegen des Verdachts auf Untreue und Betrug.