VW Manager-Talent Bernhard meldet sich zum Dienst
Wolfsburg - Der 44-Jährige nahm am Dienstag seine Arbeit auf, wie ein Konzernsprecher bestätigte. Bernhard ist zunächst Vorstandsmitglied ohne Geschäftsbereich und soll spätestens 2006 Chef der Markengruppe Volkswagen werden. Bisher führt Bernd Pischetsrieder die Gruppe aus den Marken Volkswagen, Seat und Bentley neben seiner Aufgabe als Konzernchef.
Faktisch führe aber Bernard sie von seinem ersten Tag an, heißt es in Wolfsburg. Es gilt, die Kernmarke des Konzerns aus den roten Zahlen zu bringen. Die Marke VW, zu der etwa Golf, Passat und Jetta, aber auch Skoda und Bugatti gehören, steckt in einer Krise: Der Absatz weltweit stagniert, massive Probleme gibt es etwa wegen veralteter Modelle vor allem in den USA und China. In den ersten neun Monaten 2004 schrieb die Marke operativ einen Verlust von 47 Millionen Euro, nach einem Plus von 388 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Schon jetzt gilt der frühere DaimlerChrysler-Manager als neuer starker Mann bei dem Wolfsburger Autobauer. Sein Ruf als Sanierer stammt vor allem aus seiner Zeit bei Chrysler. 2000 schickte ihn DaimlerChrysler-Konzernchef Jürgen Schrempp zusammen mit Dieter Zetsche zur Rettung von Chrysler in die USA - mit drastischen Folgen für die Beschäftigten. Als Mann fürs Tagesgeschäft strich Bernhard 26.000 Jobs, schloss etliche Werke, brachte aber auch etliche neue Modelle auf den Markt - Chrysler schaffte die Wende.
Eine solche Rolle ist dem Wirtschaftsingenieur nicht neu. Schon einmal wurde er als potenzieller Nachfolger eines Konzern-Bosses gehandelt. 2004 sollte er bei DaimlerChrysler den Posten des Mercedes-Chefs antreten, um sich die Meriten als Nachfolger für DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp zu erwerben. Doch mit Bemerkungen über den "Sanierungsfall Mercedes" brachte er sowohl Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat als auch Mercedes-Chef Jürgen Hubbert gegen sich auf - Bernhards Vorstands-Vertrag bei DaimlerChrysler wurde Ende Juli 2004 aufgelöst.
Bernhard begann seine Laufbahn als Unternehmensberater bei McKinsey. Der am 3. September 1960 im Allgäu geborene Wirtschaftsingenieur wurde 1992 Projektleiter zur Senkung der Materialkosten und Steigerung der Produktivität in den Montage-Werken von Mercedes. Zwei Jahre später wurde der Diplom-Ingenieur, der an der Technischen Universität in Darmstadt studierte, Leiter der Montage der S-Klasse im größten inländischen Mercedes-Werk in Sindelfingen. Dann verdiente er sich Sporen als Geschäftsführer der Tuning-Firma AMG. Ende des Jahres 2000 wurde der Manager, der über internationale Wechselkursrisiken promoviert hat, stellvertretendes Vorstandsmitglied des Autobauers und wechselte von Stuttgart in die USA, um Chrysler wieder flott zu machen.
Bernhard wurde von amerikanischen Journalisten "Car Guy" genannt. So wird in der Fahrzeugbranche jemand bezeichnet, der über die Fachkenntnisse hinaus ein richtiger Autonarr ist.