VW-Prozess Hartz nimmt Piëch in Schutz
Braunschweig - Peter Hartz' Kernaussage lässt sich schnell zusammenfassen: Der damalige VW-Vorstandschef Ferdinand Piëch habe von illegalen Zahlungen an den Betriebsrat so gut wie nichts gewusst, sagte Hartz heute vor dem Braunschweiger Landgericht.
Hartz, seinerzeit zuständig für Personalfragen, erklärte, er habe im Jahr 1994 die Forderung des ehemaligen Betriebsratschef Klaus Volkert nach besserer Bezahlung nur am Rande einer Gremiensitzung mit Piëch "informell angesprochen". "Man" sei sich schnell einig gewesen, Volkert wie ein "Mitglied des Top-Managements zu behandeln". Ihm sei übertragen worden, dies umzusetzen: "Über Einzelheiten wurde nicht gesprochen", sagte Hartz.
Piëch, heute Aufsichtsratsvorsitzender von VW, hat stets bestritten, Einzelheiten jener Vereinbarung gekannt zu haben, mit der Volkert in den zehn Jahren nach 1994 Sonderboni von insgesamt knapp zwei Millionen Euro kassierte. Hartz wurde wegen Zahlung dieses Geldes rechtskräftig wegen Begünstigung eines Betriebsrates und schwerer Untreue zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt.
In dem aktuellen Prozess vor dem Braunschweiger Landgericht muss sich Volkert wegen Anstiftung zur Untreue verantworten. Ex-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer ist wegen gemeinschaftlicher Untreue angeklagt. Hartz soll auch zu den Abrechnungen Gebauers für Lustreisen und Bordellbesuche von Betriebsräten und Zahlungen von mehreren hunderttausend Euro an die ehemalige brasilianische Geliebte von Volkert aussagen.
"Herr Doktor Piëch war nicht informiert"
Dabei nahm Hartz die Verantwortung für die umstrittenen Zahlungen auf sich. "Herr Volkert hat mich nicht zur Sonderboni-Gewährung angestiftet. Es war meine Entscheidung", sagte Hartz bei der Zeugenvernehmung. Er habe die Entlohnung geheim gehalten, denn die Entlohnung eines Betriebsratschefs sei ein "sehr sensibles Thema".
Hartz sagte, Volkert habe sich ihm gegenüber 1994 unzufrieden mit der Bezahlung geäußert. Er selbst habe daraufhin informell mit Piëch und dem damaligen Finanzvorstand Jens Neumann gesprochen, und man sei sich einig gewesen: "Herr Volkert sollte wie ein Topmanager behandelt werden. Mir wurde übertragen, das umzusetzen. Über Einzelheiten wurde nicht gesprochen", sagte Hartz. "Ich habe das diskret behandelt. Herr Doktor Piëch und Herr Doktor Neumann waren darüber nicht informiert."
Hartz berichtete, er habe Mitte der neunziger Jahre zu Gebauer gesagt, dass Volkert "großzügig, wertschätzend und nicht kleinlich" behandelt werden sollte. Dass das möglicherweise zu Missbrauch einladen könne, habe er ignoriert. "Ich schaute weg." Das Ausmaß des Missbrauchs habe er erst durch die Ermittlungen erfahren. "Es hat mich überrascht."
Hartz war der erste, der sich in der Affäre um Sonderboni und Lustreisen von Betriebsräten auf VW-Kosten vor Gericht verantworten musste. Im Januar war Hartz wegen Untreue und Begünstigung des Betriebsrates zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 576.000 Euro verurteilt worden.
wal/AFP