VW-Sparpläne "Wir werden jeden Stein umdrehen"
Hamburg/Wolfsburg - "Wir werden alle Möglichkeiten in Betracht ziehen. Jeder Stein wird umgedreht", sagte Bernhard auf einer Analystenkonferenz. Um im Jahr 2008 "akzeptierbare Ergebnisse" zu erreichen, müssten im operativen Geschäft Verbesserungen von brutto sieben Milliarden Euro erreicht werden, erklärte der Chef der wichtigsten Markengruppe des Volkswagen-Konzerns , zu der neben VW auch Skoda, Bentley und Bugatti gehören.
Dabei sollen im Vertrieb mehr als zwei Milliarden Euro eingespart werden, bei den Materialkosten mehr als drei Milliarden Euro, bei den Produktionskosten weniger als eine Milliarde Euro, bei den Gemeinkosten rund 500 Millionen Euro und bei den Garantiekosten weniger als 500 Millionen Euro.
Keine Werkschließung
Um die Ziele zu erreichen, will Bernhard unter anderem vermehrt Teile bei unterschiedlichen Modellen nutzen. Auch soll die Produktion im Dollar-Raum ausgeweitet werden, um Währungsrisiken zu minimieren. Zudem erwartet Bernhard einen Beitrag der Zulieferer, wobei er die Partner "nicht ausquetschen" will, wie er sagte.
Bernhard, der sich als Chef der Daimler-Tochter Chrysler den Ruf eines harten Sanierers gemacht hat, sagte ausdrücklich, dass an dem Tarifkompromiss aus dem vergangenen Jahr nicht rütteln werde. Die Vereinbarung sieht im Kern eine Beschäftigungsgarantie für die 103.000 Arbeitnehmer in den westdeutschen VW-Werken bis Ende 2011 vor. Im Gegenzug verzichtet die Gewerkschaft bis zum 31. Januar 2007 auf Tariferhöhungen. In Europa solle zudem kein einziger Standort geschlossen werden, erklärte Bernhard. Er dementierte damit Berichte über die bevorstehende Schließung des VW-Werks Brüssel.
Schwerpunkt auf Qualität
Das Thema Qualität sei dabei besonders wichtig, hieß es weiter. Der Konzern habe mit seinen Produkten nicht immer das gehalten, was er versprochen habe. Dies solle sich ändern. Im Jahr 2008 will der Konzern das Volumen der Garantieleistungen halbiert haben, die binnen 12 Monaten nach Verkauf eines Fahrzeugs anfallen.
Führende Manager müssen sich zudem künftig an der Qualität messen lassen. So sollen künftig dreijährige Qualitätsziele etwa in der Entwicklung und Produktion aufgestellt werden, sagte Bernhard. Werden die Ziele erreicht, sollen die betreffenden Manager einen Bonus erhalten. Bei Nichterfüllung gehen sie leer aus.
Bernhard verwies darauf, dass sich die Situation für VW in absehbarer Zeit kaum zum Positiven verändern werde. "Uns bläst kalter Wind ins Gesicht", sagte der Manager. Der Absatz auf den Hauptmärkten Europa und USA sei nach wie vor flau. Auch Wechselkursschwankungen und hohe Umwelt-Anforderungen für Autos machten VW zu schaffen. Auch neue Modelle für den Massenmarkt seien kurzfristig nicht in Sicht. Mit dem Verkaufsstart des Passat-Variant in einem Monat hat der Konzern sein Pulver zunächst einmal verschossen. Über die heute vorgestellten Schritte soll im November entschieden werden.
Enttäuschte Aktienmärkte
Am Aktienmarkt wurden die Ankündigungen mit Enttäuschung aufgenommen. Die im Deutschen Aktienindex (Dax) gelistete VW-Aktie verlor am frühen Nachmittag rund zwei Prozent auf 40 Euro.
"Einige Investoren hatten erwartet, dass Volkswagen neue Maßnahmen zur Kostensenkung vorlegen würde", sagte ein Händler in Frankfurt. Ein Analyst sagte lediglich: "Da ist nichts dabei, was mich vom Hocker reißt."