VW: Vertrag von Pischetsrieder verlängert - DER SPIEGEL
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VW Vertrag von Pischetsrieder verlängert

Bis zuletzt war nicht sicher, ob VW-Chef Pischetsrieder die notwendige Mehrheit bekommen würde. Am Ende jedoch fiel das Ergebnis einstimmig aus. Der Aufsichtsrat verlängerte Pischetsrieders Vertrag bis 2012.
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Hamburg - Wochenlang dauerte die Hängepartie bereits, am Abend ließ sich der VW-Aufsichtsrat noch mal drei Stunden mehr Zeit: Das Gremium war mit Verspätung zusammengekommen, da sich die getrennten Vorgespräche von Arbeitnehmern und Arbeitgebern lange hingezogen hatten.

Mit der Entscheidung am heutigen Dienstagabend für Pischetsrieder endet eine mehrwöchige Hängepartie für den VW-Chef. Bis zuletzt war nicht sicher gewesen, ob er die notwendige Zweidrittel-Mehrheit bekommen und ob das Thema überhaupt auf der Tagesordnung des Aufsichtsrates bleiben würde. 

Um die Verlängerung von Pischetsrieders Vertrag hatte es eine wochenlange Diskussion im Kontrollgremium des VW-Konzerns gegeben. Auslöser waren Äußerungen des Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piech vor zwei Monaten gewesen, der die Fortsetzung des bis 2007 laufenden Vertrages als eine "wirklich offene Frage" bezeichnet hat. "Ich kenne kein Unternehmen in Deutschland, wo jemand an der Spitze mit zehn Gegenstimmen der Arbeitnehmerseite überleben konnte", hatte Piech in einem Gespräch mit dem "Wall Street Journal" gesagt. Vor zwei Wochen erklärte Piech dann allerdings im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung, dass Pischetsrieder voraussichtlich einen neuen Vertrag erhalten würde. Auf die Frage, ob er davon ausgehe, dass Pischetsrieders Vertrag verlängert wird, sagte er: "Davon gehe ich aus. Ich würde es heute so sehen".

Arbeitnehmer: "Wir wollten wissen wohin der Zug fährt"

Grund für die Verzögerung der Personalie war vor allem auch die abwartende Haltung der Arbeitnehmerseite gewesen. Diese wollte sich erst ein genaueres Bild von den geplanten Restrukturierungsmaßnahmen machen. "Wir wollten wissen, wohin der Zug fährt, ehe wir euch dem Zugführer anvertrauen", hatte der Konzern-Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh in einem Schreiben an VW-Mitarbeiter geschrieben.

Vor der entscheidenden Sitzung am Dienstagabend waren aus dem Arbeitnehmerlager zunächst zwiespältige Signale gekommen. Zeitungsberichten zufolge hatten einige Belegschaftsvertreter auf Drängen von IG-Metall-Chef und VW-Aufsichtsratsvize Jürgen Peters die nötige Zweidrittelmehrheit für eine Verlängerung ursprünglich verhindern wollen. Die Großaktionäre Porsche und das Land Niedersachsen standen dagegen hinter dem VW-Chef.

Pischetsrieder will bis 2008 die Kosten bei VW konzernweit um zehn Milliarden Euro senken und den Gewinn vor Steuern auf 5,1 Milliarden Euro steigern. Dazu ist eine Sanierung geplant, von der bis zu 20.000 Mitarbeiter betroffen sein könnten. Einzelheiten sind noch nicht bekannt. Am Mittwoch beginnt in Hamburg die Hauptversammlung von Volkswagen. Dabei geht es unter anderen um die Probleme der Kernmarke VW, die vergangenes Jahr nur knapp an den roten Zahlen vorbeischrammte, sowie den Skandal um Lustreisen für Betriebsräte. Viele Anteilseigner, darunter die Fondsgesellschaften Deka und DWS sowie die Aktionärsvereinigungen SdK und DSW wollen Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch nicht entlasten.

Nach Ansicht vieler Investoren, Analysten, Anlegerschützer und Branchenkenner hatte Piech den VW-Chef Pischetsrieder  öffentlich demontiert und damit den Sanierungskurs gefährdet. Zudem ist vielen Aktionären Piëchs Doppelrolle bei VW und Porsche ein Dorn im Auge. Der Sportwagenbauer ist fest in der Hand der Familien Porsche und Piëch. Der VW-Aufsichtsratschef sitzt auch selbst im Kontrollorgan der Stuttgarter, die sich im vergangenen Herbst rund 20 Prozent der Anteile an VW gesichert und das Land Niedersachsen als einst größten Anteilseigner auf den zweiten Rang verwiesen hatten. Das sorgte für Kritik wegen einer möglichen Interessenkollision.

fok/afp/ddp/vwd/