VW Wulff stützt Pischetsrieder - und rüffelt Piëch
Hannover - Zwei Tage lang schwieg das Land Niedersachsen, nun stellt sich der Ministerpräsident hinter den VW-Chef. Auf die Frage, ob Konzernchef Pischetsrieder noch seine Unterstützung habe, sagte Christian Wulff (CDU) heute: "Ich wechsle meine Meinung nur, wenn Anlass dazu besteht. Das sehe ich derzeit nicht."
Wulff hatte sich im Januar dafür ausgesprochen, den Vertrag von Pischetsrieder um weitere fünf Jahre zu verlängern und darüber mit der Arbeitnehmerseite Gespräche zu führen. "Diese Gespräche laufen zurzeit", sagte Wulff in Hannover. Unmittelbar nach dem 16. April, dem Tag, an dem die Vertragsverlängerung von Pischetsrieder frühestens stattfinden kann, werde sehr zeitnah entschieden.
VW-Aufsichtsratschef Ferdinand
Piëch hatte Mitte der Woche in einem Interview mit dem "Wall Street Journal Europe" Zweifel an einer Verlängerung des Vertrages von Pischetsrieder geäußert. Piëch sagte, die zehn Vertreter der Arbeitnehmerseite würden gegen Pischetsrieder stimmen. Dass Piëch diesen Konflikt an die Öffentlichkeit getragen hat, wurde als Versuch interpretiert, Pischetsrieder zu schaden.
Wulff ging auf Distanz zu Piëchs Äußerungen. "Nach Aktienrecht spricht für den Aufsichtsrat der Aufsichtsratsvorsitzende, und der tut das ja hinlänglich in diesen Tagen national und international", sagte Wulff. Er selbst kommentiere Personaldiskussionen, die im Aufsichtsrat zu führen seien, nie öffentlich.
Niedersachsen ist nach dem Sportwagenhersteller Porsche der größte VW-Anteilseigner. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Wulff hatten sich mit Piëch auf eine Neuordnung des VW-Aufsichtsrats nach dem Porsche-Einstieg bei VW geeinigt. Dabei war vereinbart worden, dass Pischetsrieders 2007 auslaufender Vertrag Anfang Mai vorzeitig verlängert wird.
Kein Kommentar von den Arbeitnehmern
VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterlohn will sich unterdessen nicht öffentlich in die Diskussion über die Zukunft von Bernd Pischetsrieder an der Spitze von Europas größtem Autobauer einschalten. Osterloh vermied es im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters aber auch, ein Bekenntnis für Pischetsrieder abzugeben.
"Für mich als Betriebsrat hat vor allen anderen Dingen meine Verantwortung für die 170.000 Beschäftigten im Inland Priorität", sagte Osterloh heute. Für ihn hätten die Verhandlungen über das von Pischetsrieder eingebrachte Sparprogramm Vorrang. "Wir wollen mit Volkswagen verhandeln und nicht darüber in der Zeitung lesen."
Wiedeking will nicht VW-Chef werden
Auch der neue VW-Großaktionär Porsche hält sich bislang mit Kommentaren zum Thema Pischetsrieder zurück. Der langjährige Vorstandschef des Stuttgarter Sportwagenherstellers, Wendelin Wiedeking, machte aber heute klar, dass er nicht Chef des Wolfsburger Autobauers werden will. Entsprechende Gerüchte gab es zuletzt in der Branche.
"Ich denke nicht darüber nach, woanders hinzugehen", sagte Wiedeking in einem heute veröffentlichten Interview mit dem österreichischen Magazin "Format". "Die Porsche-Story ist einfach viel zu spannend für mich." Er stehe deshalb nicht als Volkswagen-Chef zur Verfügung. Porsche ist seit Herbst größter Aktionär von Volkswagen, Wiedeking ist seit kurzem im Aufsichtsrat vertreten.
Wie bereits in den vergangenen Tagen stärkte Porsche Pischetsrieder dennoch nicht öffentlich den Rücken. "Ich habe ein gutes Verhältnis zu Herrn Pischetsrieder", sagte Wiedeking lediglich. Die von Piëch losgetretene Debatte um Pischetsrieders Zukunft an der VW-Spitze muss nach Wiedekings Worten im Kontrollgremium besprochen werden.
itz/Reuters/AP