Wachstum der Länder: Sachsen siegt, Berlin weit hinten - DER SPIEGEL
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Wachstum der Länder Sachsen siegt, Berlin weit hinten

Beim Wirtschaftswachstum hat Sachsen 2004 Maßstäbe gesetzt und alle anderen Bundesländer deutlich übertrumpft. Auch das Saarland, Rheinland-Pfalz und Bayern landeten in der Spitzengruppe. Die deutsche Hauptstadt aber schnitt wieder einmal miserabel ab - ein Überblick.
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Hamburg - Die bundesweit nominal höchsten Wachstumsraten hat 2004 das Saarland erreicht. Dort wuchs die Bruttowertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes um 11,8 Prozent, das Bruttoinlandsprodukt um 3,2 Prozent. Diese Zahlen meldete das Statistische Landesamt am Donnerstag.

Preisbereinigt (real) wuchs das Saar-BIP allerdings "nur" um 1,9 Prozent. Damit lag die Wachstumsrate aber immer noch über dem Bundesdurchschnitt von 1,6 Prozent. Noch besser war das Wachstum nur in Sachsen mit 2,2 und in Rheinland-Pfalz mit 2,0 Prozent, gleich hoch in Bayern.

Maßgeblichen Anteil an der Entwicklung in Sachsen hatte das produzierende Gewerbe (ohne Baugewerbe) mit einem Plus von 9,8 Prozent. Allein das verarbeitende Gewerb erreichte einen Zuwachs von 11,7 Prozent.

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts nach Bundesländern 2004

in jeweiligen Preisen* Veränderung zum Vorjahr** in Preisen von 1995* Veränderung zum Vorjahr**
Baden-Württemberg 319,4 2,3 292,3 1,6
Bayern 385,2 2,4 357,6 1,9
Berlin 77,9 1,3 70,8 0,5
Brandenburg 45,0 1,7 41,7 0,9
Bremen 23,6 1,8 21,6 1,0
Hamburg 78,8 2,7 73,5 1,4
Hessen 195,2 2,6 183,8 1,7
Mecklenburg-Vorpommern 29,8 1,5 27,6 1,1
Niedersachsen 184,9 1,7 170,5 1,2
Nordrhein-Westfalen 481,4 2,5 445,8 1,4
Rheinland-Pfalz 95,4 2,4 88,9 2,0
Saarland 26,1 3,2 24,3 1,9
Sachsen 79,8 2,4 73,9 2,2
Sachsen-Anhalt 45,8 1,9 42,3 1,2
Schleswig-Holstein 66,5 2,1 62,5 1,8
Thüringen 42,3 1,9 38,8 1,5
Deutschland 2177,0 2,3 2016,1 1,6
darunter:
Alte Bundesländer
ohne Berlin 1856,4 2,4 1720,9 1,6
einschl. Berlin 1934,3 2,3 1791,7 1,6
Neue Bundesländer
ohne Berlin 242,7 2,0 224,4 1,5
einschl. Berlin 320,6 1,8 295,2 1,3
* in Milliarden Euro; ** in Prozent. Stand: 31.03.2005, Quelle: Statistisches Landesamt Saarland

Auf dem sächsischen Arbeitsmarkt schlug sich der Aufschwung allerdings nicht nieder. Im Jahresdurchschnitt gab es unverändert rund 1,92 Millionen Erwerbstätige. Bei der Zahl der Arbeitnehmer musste gar ein Rückgang um 0,7 Prozent verkraftet werden. Im Vergleich dazu stieg die Zahl der Selbstständigen und mithelfenden Familienangehörigen um sechs Prozent.

Saarland profitiert vom Stahlboom

Rheinland-Pfalz hat hingegen einen Beschäftigungszuwachs erzielt. Die Zahl der Erwerbstätigen dort stieg im Jahresdurchschnitt um 10.000 oder 0,6 Prozent auf rund 1,75 Millionen. Der Zuwachs war hier etwas kräftiger als im Bundesschnitt (plus 0,3 Prozent). Das überdurchschnittlich gute Wachstum hatte Rheinland-Pfalz laut Statistik vor allem dem boomenden Export sowie der besseren Entwicklung im Baugewerbe sowie bei Dienstleistern zu verdanken.

Für die erfolgreiche wirtschaftliche Aufholjagd des Saarlandes war laut IHK-Hauptgeschäftsführer Volker Giersch vor allem die gute Entwicklung im Fahrzeugbau und in der Stahlindustrie ausschlaggebend. Für das laufende Jahr ist Giersch allerdings etwas pessimistischer: "Für 2005 rechnen wir damit, dass das Wachstum an der Saar ebenso wie beim Bund nur noch bei etwa einem Prozent liegen wird".

Impulse aus dem Ausland

Im "Musterländle" Baden-Württemberg hat die Wirtschaft nach zweijähriger Flaute wieder Tritt gefasst. Der Export sei auch 2004 treibende Kraft der Konjunktur im Südwesten gewesen, hieß es vom dortigen Statistischen Landesamt. Die Ausfuhren stiegen laut Statistik um 6,2 Prozent auf einen Wert von 114,3 Milliarden Euro.

Besonders günstig war die Auftragslage bei den baden-württembergischen Produzenten von Investitionsgütern, während die Konsumgüterindustrie weiterhin unter der schwachen Binnennachfrage litt. Starke Wachstumsimpulse setzten die Bereiche Maschinenbau, Büro, Elektrotechnik, Feinmechanik, Optik sowie der Fahrzeugbau. Dagegen mussten das Textil- und Bekleidungsgewerbe und die chemische Industrie erneut deutliche Einbußen bei den Aufträgen hinnehmen, heißt es in der Erklärung des Landesamtes aus Stuttgart.

Einkommen: Minus in Berlin, MV ganz hinten

Auf dem letzten Platz des Vergleichs landet Berlin. Gleichzeitig wird aus der Bundeshauptstadt gemeldet, dass die Bruttoeinkommen der Arbeitnehmer in der Hauptstadt 2004 erstmals seit 1992 sanken. Vor Abzug von Lohnsteuern und Sozialbeiträgen verdienten Erwerbstätige noch 26.396 Euro.

Dies waren 200 Euro oder 0,8 Prozent weniger als 2003 und 287 Euro weniger als im bundesweiten Schnitt. Mit ihren Einkommenseinbußen standen die Berliner Arbeitnehmer überhaupt gegen den Bundestrend. Deutschlandweit stagnierten die Einkommen 2004 bei einem Plus 0,1 Prozent.

Am niedrigsten ist der Pro-Kopf-Verdienst in Mecklenburg-Vorpommern. Im vergangenen Jahr betrug der durchschnittliche Bruttolohn in dem Bundesland 21.061 Euro - das waren knapp 79 Prozent des Bundesdurchschnitts. In den neuen Ländern wurden im Schnitt 21.499 Euro gezahlt. Im Alt-Bundesgebiet waren es laut Statistik 27.591 Euro, das entsprach 103,4 Prozent des Bundesdurchschnitts.

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