Wachstumsprognose Clement setzt auf Party-Laune
Berlin - Im Wirtschaftsministerium heiße es, eine Senkung der derzeit noch gültigen Wachstumsprognose sei unausweichlich, berichtet "Die Welt" unter Berufung auf Ministeriumskreise. Trotz dieser Einschätzung wolle Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) aber bis nach der Sommerpause an der bisherigen Prognose von 0,75 Prozent festhalten.
Grund dafür sei die Einschätzung Clements, dass eine zu skeptische Schätzung die Stimmung in Deutschland weiter verschlechtern würde. Zudem wolle der Minister der Öffentlichkeit nicht immer neue Prognosen präsentieren. Am vergangenen Freitag hatte ein Sprecher des Ministeriums erklärt, man wolle die Wachstumsprognose für dieses Jahr beibehalten und erst im Herbst überprüfen. Die Finanzsprecherin der Grünen, Christine Scheel, hatte die Prognose dagegen für unrealistisch erklärt und 0,5 Prozent als realistisch bezeichnet.
In den vergangenen sechs Monaten hatte die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose zwei Mal revidiert. Zunächst von 1,5 Prozent auf 1,0 Prozent und dann Ende April auf 0,75 Prozent. Die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erwarteten in ihrem Frühjahrsgutachten für das Jahr 2003 ein Wirtschaftswachstum in Höhe von 0,5 Prozent. In der vergangenen Woche hatte das Statistische Bundesamt bekannt gegeben, dass die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 2003 gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent geschrumpft ist.