Währungen Euro sank auf Allzeittief
Frankfurt/New York - Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, begründete die Euroschwäche mit der Attraktivität des Dollar-Marktes. Trotz kleiner Krisen sei dort "Grundvertrauen vorhanden", weil die wirtschaftliche Entwicklung dynamisch blieb", sagte Walter im ZDF. Einen Zusammenhang mit den politischen Skandalen in Deutschland sieht er nicht. Entscheidend für den Kurs sei "die Weichenstellung auf der anderen Seite des Atlantiks".
Korrekturen zu Gunsten der europäischen Gemeinschaftswährung erwartet Walter in der zweiten Jahreshälfte. Ferner rechnet er damit, dass die Europäische Zentralbank wegen steigender Importpreise "demnächst" die Zinsen erhöhen wird.
Der sich abzeichnende konjunkturelle Aufschwung in Europa werde den Euro in den kommenden Wochen stützen, erwarten Frankfurter Devisenmakler. "Ein ganz entscheidender Aspekt ist die Frage, wie die europäischen Währungshüter reagieren. Kommentare von wichtigen Vertretern der EZB werden darüber Aufschluss geben", sagte ein Händler.
Ahnlich argumentierten New Yorker Makler: Der Devisenhandel wolle jetzt sehen, wie weit die EZB den Euro-Kurs sinken lasse, ohne Gegenmaßnahmen zu ergreifen. "Die Märkte sind etwas enttäuscht, dass es in der EZB keine Euro-Strategie und keine Vorstellung von einem angemessenen Kursniveau zu geben scheint", sagte Bob Sinche, Devisenmanager bei der Citigroup. "Es besteht der Eindruck, dass man die Dinge treiben lässt."
Der Gouverneur der belgischen Zentralbank, Guy Quaden, sagte dem Radiosender RTBF dagegen: "Eine Intervention ist nicht ausgeschlossen. Um effizient zu sein, müssen aber einige Bedingungen erfüllt sein."