Währungsschwäche Euro auf Rekordtief
Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank legte am Nachmittag einen Referenzkurs von 0,8480 Dollar fest. Das letzte Mal hatte der Euro Ende November vergangenen Jahres ein so niedriges Niveau. Den insgesamt tiefsten Stand seit seiner Einführung hatte der Euro am 26. Oktober vergangenen Jahres mit 0,8230 Dollar erreicht.
Angesichts des anhaltenden Kursverfalls verteidigte Duisenberg in Wien die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank als angemessen. Durch eine gemeinsame Währung allein könne aber kein gemeinsamer Markt geschaffen werden. Im übrigen sei der Kurs des Euro kein Ziel an sich. Der Londoner Commerzbank-Analyst Kamal Sharma sah darin für viele Händler ein Verkaufssignal. "Duisenbergs Äußerungen haben jede Art von Interventionsängsten am Markt beseitigt."
Die EZB bemühte sich anschließend um Schadensbegrenzung. Eine Intervention sei eine Option, über die alle Zentralbanken verfügten, betonte EZB-Vize Christian Noyer. Die EZB hatte im vergangenen Herbst mehrfach zu Gunsten des Euro interveniert. Die Spekulationen über ein erneutes Eingreifen der Notenbank waren in den vergangenen Tagen aufgekommen, weil sich der Euro wieder dem damaligen Niveau annäherte.
Noyer sah keinen Anlass, die Debatte über die Nachfolge Duisenbergs wieder zu eröffnen. Diese Frage habe für den Moment keine Aktualität. Duisenbergs Mandat laufe acht Jahre, betonte Noyer. Es liege an Duisenberg, wann er seinen Abschied nehme. Duisenberg war im vergangenen Jahr schon einmal in die Kritik geraten, wegen unbedachter Äußerungen den Euro unter Druck gesetzt zu haben.
Der Streit um die Amtszeit Duisenbergs schwelt allerdings schon seit dessen Ernennung im Mai 1998. Damals war der Niederländer gegen den Willen Frankreichs, das lieber den eigenen Notenbank-Chef Jean-Claude Trichet auf dem Posten gesehen hätte, in das Amt befördert worden. Um die Gemüter zu beruhigen, hatte Duisenberg damals versprochen, nicht die gesamten acht Jahre auszuüben. Paris hatte dies als Versprechen interpretiert, dass Duisenberg nach der Hälfte der Amtszeit für Trichet seinen Platz räumen werde.