Währungsturbulenzen EU-Streit belastet Euro
Frankfurt am Main - Zeitweise rutschte die Gemeinschaftswährung wieder unter 1,22 Dollar, erholte sich im Verlauf aber wieder auf ein Niveau leicht darüber. Damit büßte der Euro einen Teil der Gewinne vom späten Freitagsgeschäft ein, als enttäuschende Daten zur US-Leistungsbilanz den Dollar unter Druck gebracht und den Euro im New Yorker Schlussgeschäft auf fast 1,23 Dollar gehievt hatten.
"Nach den gescheiterten Verfassungsreferenden verschärft diese Entwicklung die Krise der EU und wirkt sich belastend auf den Euro aus", sagte Folker Hellmeyer von der Landesbank Bremen. "Das unterstreicht den negativen politischen Hintergrund für den Euro", erklärte Adam Cole von RBC Capital Markets in London. "Die meisten denken, dass das politische Risiko für den Euro zunimmt und der Markt die Lähmung (der EU) als negativ für das Wirtschaftswachstum und die Wirtschaftsleistung auffasst. Aber das Schlimmste ist jetzt im Preis einbegriffen", fügte Cole hinzu.
Nachdem die Referenden über die EU-Verfassung in Frankreich und den Niederlanden durchgefallen waren, war der Euro auf fast 1,20 Dollar gefallen, hatte sich letztlich aber über dieser psychisch wie technisch wichtigen Marke behauptet. "Möglicherweise rückt nun die US-Defizitlage wieder stärker in den Vordergrund", sagte ein Händler. Am Freitag war in den USA überraschend die Ausweitung des Fehlbetrags in der Leistungsbilanz auf ein Rekordniveau bekannt gegeben worden.
Das doppelte Debakel des Brüsseler EU-Gipfels bei Finanzen und Verfassung hat Europa in eine ernste Sinnkrise gestürzt. Die Staats- und Regierungschefs der 25 EU-Staaten scheiterten in der Nacht zum Samstag bei dem Versuch, den milliardenschweren Finanzrahmen für die Jahre 2007 bis 2013 zu beschließen.
Auch eine klare Antwort zur gefährdeten EU-Verfassung nach dem Nein der Franzosen und Niederländer steht weiter aus. Zahlreiche EU-Politiker forderten deshalb eine politische Neuausrichtung der Union.