Wal-Mart in China: Ein US-Handelsriese wird kommunistisch - DER SPIEGEL
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Wal-Mart in China Ein US-Handelsriese wird kommunistisch

Der US-Supermarktriese Wal-Mart gilt weltweit nicht gerade als Hüter von Arbeitnehmerrechten und Freund der Gewerkschaften. Doch in China muss sich der Konzern immer mehr dem Druck der Regierung beugen. Nun hält sogar die kommunistische Partei Einzug in die Wal-Mart-Filialen.
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Hamburg - "In China ist es normal, dass Parteimitglieder sich in den Unternehmen organisieren, und wir respektieren das." Überraschend handzahm reagierte Wal-Mart-Sprecher Beth Keck in der Konzernzentrale in Bentonville, USA, heute auf Meldungen in chinesischen Medien. Diese hatten berichtet, dass sich in zwei chinesischen Wal-Mart-Filialen Zellen der kommunistischen Partei gegründet hätten.

Klassenkampf müssen die US-Amerikaner von ihren kommunistischen Mitarbeitern jedoch nicht befürchten. "Das Ziel der Partei ist es, für weiteres Wirtschaftswachstum zu sorgen", wird Zhu Hui, Vizepräsident der Kommunistischen Parteischule in Shenyang im Nordosten Chinas, zitiert. Er kündigte an, dass die Partei sich nicht in die Geschäftspolitik von Wal-Mart einmischen werde.

Auch der Anteil der Parteimitglieder unter den Angestellten ist eher gering. In der Filiale nahe der Provinzhauptstadt Shenyang sind von 389 Mitarbeitern nur 18 in der kommunistischen Partei, in Taiyun, südlich der chinesischen Hauptstadt Peking, umfasst die hauseigene Parteizelle sogar nur drei Mitglieder.

Die Akzeptanz der kommunistischen Zellen ist nur ein weiterer Schritt einer "Entspannungspolitik" von Wal-Mart gegenüber der chinesischen Führung. "Wir stimmen mit der chinesischen Regierung in ihren Anstrengungen, eine harmonische Gesellschaft aufzubauen, überein", beschreibt Joe Hatfield, Präsident von Wal-Mart Asien, die neue Strategie. Nach dem Rückzug aus dem deutschen und südkoreanischen Markt setzen die US-Manager auf Erfolg im Boomland China.

Und dieser Zwang zum Erfolg macht verletzlich: Unter dem Druck der Regierung hatte Wal-Mart Ende Juli seinen langjährigen Kampf gegen die Gründung von Betriebsräten in seinen 60 chinesischen Filialen aufgegeben. Die Regierung in Peking möchte bis Ende des Jahres 60 Prozent aller Arbeitnehmer im staatlichen Gewerkschaftsverband organisieren.

Weltweit ist Wal-Mart in 16 Ländern aktiv und beschäftigt rund 1,6 Millionen Menschen. Bisher galt der US-Handelsriese als einer der härtesten Gegner von Gewerkschaften. Menschrechtsorganisationen hatten den Konzern mehrfach wegen Verstößen gegen das Arbeitsrecht kritisiert.

bay/AP

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