Wal-Mart In Deutschland ausgebremst
Wuppertal - Wal-Marts Ergebnis kletterte allein im dritten Quartal um 15 Prozent. Im nächsten Jahr will die US-Supermarktkette weltweit 440 neue Läden eröffnen. Auch Deutschland wollten die Amerikaner eigentlich im Sturm nehmen: Vor vier Jahren kaufte Wal-Mart 21 Wertkauf- sowie 74 Intersparfilialen. Doch hier zu Lande kam der weltgrößte Einzelhändler bisher nicht voran. Noch immer sind es 95 Filialen, in den vergangenen Jahren wurden zwei Dependancen geschlossen, zwei Supercenter neu eröffnet. In Deutschland muss Wal-Mart sogar Personal abbauen: auf knapp zehn Prozent der Mitarbeiter will der Handelsriese in Zukunft verzichten.
Den derzeitigen Umsatz von Wal-Mart schätzen Experten auf sechs Milliarden Mark, das entspricht einem Marktanteil von zwei Prozent. Nach Ansicht von Branchenkennern ist das viel zu wenig. Um wie ursprünglich geplant im deutschen Einzelhandel den Ton angeben zu können, müsste Wal-Mart mindestens 20 Milliarden Mark umsetzen. Den Umsatz müsste der Konzern mit eine Übernahme von Metro dazukaufen. Eine Zeitlang war eine Akquisition der Metro-Gruppe im Gespräch - man konnte sich allerdings nicht auf einen Preis einigen.
Wal-Mart arbeitet derzeit nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" an einer neuen Strategie. Weil im Lebensmittelbereich die Margen unter einem halben Prozent liegen, will Wal-Mart sein deutsches Sortiment um hochwertige Textilien sowie Möbel und Teppiche erweitern. Seine größten Chancen sieht Wal-Mart im Textilgeschäft. Die britische Wal-Mart-Tochter Asda stellt bereits Bekleidung unter dem Namen "George" her. Die Kollektion reicht von Damenmoden bis Nachtwäsche. Sie soll nach und nach in allen Deutschland-Geschäften angeboten werden.