Wal-Mart-Opfer US-Supermarktkette Winn-Dixie ist pleite
Jacksonville - Die Kette hat ihren Antrag auf Gläubigerschutz nach der US-Regel "Chapter 11" am Dienstag bei einem New Yorker Gericht eingereicht. Sie begründete diesen Schritt unter anderem mit "operativen Problemen".
Die finanzielle Situation von Winn-Dixie hatte sich zuletzt gravierend verschlechtert. Der Umsatz war im vergangenen Halbjahr auf 5,4 Milliarden Dollar gefallen, nach 5,6 Milliarden Dollar in der entsprechenden Vorjahreszeit. Dabei fiel ein Halbjahresverlust von über 550 Millionen Dollar an - nach zuvor 78,3 Millionen Dollar.
Winn-Dixie will seine Geschäfte in acht US-Bundesstaaten und auf den Bahamas vorerst weiter betreiben. Der Konzern will während des Insolvenzverfahrens Kosten sparen und sich sanieren. Er hat sich dafür bei der Wachovia Bank eine Kreditlinie von 800 Millionen Dollar besorgt.
Wal-Mart, der Eroberer
Winn-Dixie ist in Jacksonville, Florida, ansässig und vor allem im Südosten der USA präsent. Die Kette steht nach Darstellung von Branchenkennern unter hartem Wettbewerbsdruck und wird vor allem von Wal-Mart und dem regionalen Supermarktkonzern Publix bedrängt.
Wie Wal-Mart hatte die Kette als kleines, regionales Familienunternemen begonnen, eine Zeit lang saß sogar Wal-Mart-Gründer Sam Walton im Aufsichtsrat. Insbesondere im vergangenen Jahrzehnt ging Wal-Mart dann in die Offensive und hat die Winn-Dixie-Basis Florida mit seinen so genannten Supercentern überzogen.
Nur noch ein Penny Stock
Winn-Dixie hatte bis zuletzt kein Konzept gefunden, um mit der Konkurrenz fertig zu werden. Zunächst hatte sich die Kette auf einen Preiskampf mit Wal-Mart eingelassen, dabei aber den Kürzeren gezogen - und dann wiederum versucht, sich mit Qualität zu profilieren. Winn-Dixie hat bereits seit 1998 rund 200 Filialen schließen müssen. Anfang vergangenen Jahres hatte die Kette zudem angekündigt, 10.000 von 100.000 Stellen zu streichen.
Winn-Dixie war 2004 nur noch die Nummer 16 unter den US-Supermärkten - 2003 rangierte das Unternehmen noch auf Platz zwölf. Im Dezember hat die Kette dann ihren Chef ausgetauscht.
Winn-Dixie-Aktien wurden am Dienstag vom Handel ausgesetzt. Im vorbörslichen New Yorker Handel waren sie um 44,22 Prozent auf nur noch 0,82 Dollar eingebrochen.
Matthias Streitz