Wal-Mart Preiskrieg neu entfacht
Wuppertal - Der Geschäftsführer von Wal-Mart Germany, Volker Barth, sagte, es handele sich nicht um Sonderangebote, sondern um auf Monate angelegte Preissenkungen. Möglich geworden seien sie durch Einsparungen im Einkauf.
Die jüngste Preisoffensive der Amerikaner stieß allerdings auf scharfe Kritik der Einzelhandelsverbände. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittel-Einzelhandels, Gerd Härig, warf dem US-Konzern vor, er betreibe einen gezielten Preiskrieg. Wal-Mart versuche mit seiner überlegenen Finanzkraft, den deutschen Lebensmittelhandel sturmreif zu schießen, um durch Übernahmen anderer Unternehmen seine Marktanteile zu stärken. Er sagte voraus, dass nach den Preissenkungen von Wal-Mart nun wohl auch alle anderen deutschen Anbieter nachziehen würden.
Auch der Chefvolkswirt des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, Robert Weitz, urteilte, Hauptziel der von Wal-Mart initiierten Preiskämpfe sei es, Konkurrenten zu schwächen bis Wal-Mart sie aufkaufen könnten. Anders könne Wal-Mart seinen bislang unbefriedigenden Marktanteil nicht rasch genug steigern. Das im amerikanischen Bentonville ansässige größte Einzelhandelsunternehmen der Welt hat in Deutschland bisher nur 95 Filialen und beschäftigt rund 18.200 Mitarbeiter.
Schwer dürften die neuen Preissenkungen dem US-Giganten mit einem Umsatz von 358 Milliarden Mark nicht fallen. Denn während die deutschen Lebensmittelhändler mit durchschnittlichen Netto-Umsatzrenditen von 0,7 Prozent auskommen müssen, kommt Wal Mart daheim auf Renditen von fünf bis sechs Prozent und erwartet in diesem Jahr einen Jahresüberschuss von 11,7 Milliarden Mark aus.
Es ist das zweite Mal im Abstand von gut zwei Monaten, dass der amerikanische Konzern die deutschen Konkurrenten gezielt unter Druck setzt. Erst im Juni hatte Wal-Mart die deutschen Discounter wie Aldi, Plus oder Lidl mit Preissenkungen für Grundnahrungsmittel wie Mehl oder H-Milch auf neue Tiefstwerte schockiert. Der neue Angriff gelte vermutlich den großen SB-Märkten der Konkurrenz, vermuteten Branchenkenner angesichts der ungleich weiter gefächerten neuen Preisrunde, die Markenkaffee genauso wie Herrenjeans, Mountainbikes und Staubsauger betrifft.
Auf Hilfe vom Bundeskartellamt können die deutschen Lebensmittelhändler nicht hoffen. Erst vor einem Monat hatte Deutschlands oberster Wettbewerbshüter Ulf Böge betont: "Das Bundeskartellamt wird alles vermeiden, in die Rolle eines Preiskommissars zu geraten." Erste Überprüfungen der im Juni losgetretenen Preissenkungen hatten zuvor keinen Hinweis auf Preisdumping erbracht.
Die Konsumenten können sich also freuen: Im deutschen Einzelhandel dürfte noch einige Zeit der Rotstift regieren.