Wall-Street-Ausblick: Ab heute tägliches Herzflattern - DER SPIEGEL
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Wall-Street-Ausblick Ab heute tägliches Herzflattern

Bang blickt die Wall Street auf die nächsten Tage. Die Quartalsbilanzen und Umsatzprognosen der US-Konzerne entscheiden darüber, ob im zweiten Halbjahr 2003 erneut die Bullen über das Parkett tanzen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Pepsico macht den Anfang. Dann folgt der Aluminiumriese Alcoa. Und danach geht es Schlag auf Schlag: GE, Yahoo!, Citigroup, Fleet Boston, IBM, General Motors, Genentech, Juniper, Hasbro, BellSouth, Aetna, Procter & Gamble . . .

Die Stunde der harten Fakten schlägt. Nach der Feierstagswoche vor dem 4. Juli, in der die Börsianer mit hörbarem Gähnen das erste Halbjahr abhakten, steht ihnen ab heute tägliches Herzflattern bevor - denn die Quartalszahlensaison beginnt. Die ist zwar sonst ja eher eine Routinesache. Doch dieses Mal dürfte so viel in den Zahlensalat hinein gelesen werden wie lange nicht mehr.

Seit Monaten spekulieren - sprich: hoffen - die malträtierten Börsianer aufs zweite Halbjahr: Hier werde sich zeigen, ob sich die Wall Street bis Jahresende tatsächlich zu einer konsolidierten Rallye aufraffen und den Bullen den Weg bahnen kann. Das wird nur funktionieren, wenn die Bilanzen und Prognosen der großen US-Konzerne stimmen: "Was darin stehen wird", weiß Bilanzexperte Chuck Hill von Thomson First Call, "prägt die Stimmung."

Die Messlatte zu hoch?

Selbst die US-Regierung verweist gerne voll Pathos auf die kommenden sechs Monate: Ab Juli werde die Steuerreform die ersten Früchte tragen und in den folgenden Monaten den Aufschwung ankurbeln. Oder, in den Worten von Präsident George W. Bush: "Die Zukunft leuchtet."

Diese Zukunft beginnt heute. "Zum ersten Mal wird den Investoren einen Blick auf die zweite Jahreshälfte gewährt", sagt Fred Hickey, Herausgeber des Börsen-Newsletters "The High-Tech Strategist". Er selbst sieht dabei nicht den begehrten Leuchtstreifen am Horizont: "Dieser Blick muss nicht unbedingt gut sein, und das könnte die Euphorie des Markts dämpfen."

Denn die Euphoriker haben die Messlatte hoch gelegt - zu hoch? Die meisten Wall-Street-Analysten rechnen Umfragen zufolge mit einer durchschnittlichen Umsatzsteigerung von immerhin 5,4 Prozent, getragen vom anhaltenden Boom in den Sektoren Energie (geschätzter Umsatz plus 36 Prozent) und Technologie (plus 20 Prozent). Wahrhaft hehre Ansprüche. Doch können die realen Ergebnisse da mitzuhalten?

Die Größten haben es am schwersten

Problem-Branchen gibt es weiterhin viele - zum Beispiel die Luftfahrt-Industrie. Da sind die Konzerne, die täglich Millionen verbrennen, weiterhin weit zahlreicher als die Aufsteiger. Die Größten der Branche haben es auch am schwersten: American, Delta, Northwest und Continental befürchten für das Quartal Verluste von einem bis drei Dollar pro Aktie. Nur die Rebellen machen weiter Geld: Southwest, JetBlue, AirTran. Die zweitgrößte Luftfahrtgesellschaft United ist, da im Konkursverfahren, vorübergehend vom Bilanzkarussel abgesprungen.

Auch die Autohersteller klagen weiter - und zwar vor allem über die hohen Kosten der Finanzierungsdiscounts, mit denen sie ihre Kunden locken müssen. Chrysler hat den Verlust durch günstige Kredite bereits auf eine Milliarde Dollar beziffert.

Ein Hauptakteur der Woche, der auch an der Wall Street Kurse bewegen könnte, wird wohl der französische Multi Vivendi Universal sein. Der ist in die entscheidende Verhandlungsrunde zum Verkauf seiner US-Studiotochter Universal getreten, um die noch sechs Bewerber buhlen. Quasi als Cheerleader für die Broker schickt Vivendi heute zwei seltene Gäste zur PR-Visite an die Wall Street, um die Eröffnungsglocke der Börse zu läuten: Lyor Cohen, den Chef seines Hip-Hop-Labels Island Def Jam, und den Rapper LL Cool J.

Ab das reicht, die Kurse zum Tanzen zu bringen? Die Börsenexpertin Bambi Francisco von Marketwatch.com formuliert warnende Worte. "Die Prognosen müssen wenigstens erfüllt werden, wenn nicht mehr", sagt sie. "Sonst werden die Fans von der Tanzfläche stürmen." Und wenn die Ergebnisse sogar unter den Prognosen hängen bleiben? "Dann gibt's eine Massenflucht Richtung Ausgang."

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