Wall-Street-Ausblick: Aufholjagd im Advent - DER SPIEGEL
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Wall-Street-Ausblick Aufholjagd im Advent

Rallyes zum Jahresende hin sind an der Wall Street fast schon die Regel. Aber schafft der Dow Jones noch rechtzeitig die 10.021-Punkte-Marke?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Bullen- oder Bärenjahr? Das ist die Frage, die die Wall Street in diesen Tagen beschäftigt. Schafft es der Dow Jones, das turbulente Jahr 2002 im Plus zu beenden?

Seit acht Wochen läuft die Aufholjagd, in dieser Zeit hat der Dow 22 Prozent an Boden gutgemacht. Doch es fehlen noch über 1100 Punkte oder 12,6 Prozent zur Neujahrs-Marke von 10.021 Punkten.

Der Nasdaq Composite hat einen noch weiteren Weg: Seit dem Tief vom 9. Oktober hat er zwar bereits 33 Prozent zugelegt, doch es fehlen noch weitere 31 Prozent.

Beobachter sind mit Prognosen noch vorsichtig, aber zumindest erscheint ein Bullenjahr nicht mehr unmöglich. Es wäre das erste nach zwei Bärenjahren.

Diese Woche beginnt mit Rückenwind. Das Thanksgiving-Wochenende, traditionell der Beginn der vorweihnachtlichen Shopping-Saison, war vielversprechend - vor allem dank stark reduzierter Waren. Die Einzelhändler verkauften am Freitag und Samstag elf Prozent mehr als letztes Jahr. Online-Einzelhändler verzeichneten sogar 40 Prozent Zuwächse.

Besonders Discounter wurden von Schnäppchenjäger-Horden überrannt. Die Zeitungen druckten Bilder von meterhoch vollgepackten Einkaufswagen. Wal-Mart machte am Freitag den besten Umsatz seiner Geschichte: 1,43 Milliarden Dollar an einem einzigen Tag.

Die Shopping-Zahlen gelten an der Börse als Stimmungsbarometer der US-Verbraucher. Und die Stimmung im Land scheint sich zum Ausklang des Jahres aufzuhellen.

Von der Konjunkturfront werden diese Woche noch mehr gute Nachrichten erwartet. Am wichtigsten sind der nationale Einkaufsmanager-Index (ISM) am Montag und der Arbeitsmarktbericht am Freitag. Der ISM-Index soll im November leicht auf 49,5 Prozent gestiegen sein. Der Wert unter 50 signalisiert jedoch, dass die Produktion weiterhin schrumpft.

Die Arbeitslosenrate soll im November von 5,7 auf 5,8 Prozent gestiegen sein - ein vernachlässigbarer Anstieg. Gleichzeitig wurden netto 13.000 neue Jobs geschaffen - ein beruhigendes Zeichen, nachdem in den Vormonaten Jobs weggefallen waren.

Mit Spannung warten die Börsianer auf eine ganze Reihe von Ankündigungen aus der Technologiebranche. Cisco macht am Montag den Anfang: Auf einer Analystenkonferenz wird das Networking-Unternehmen seine Aussichten für 2003 diskutieren. Am Dienstag folgt Nokia mit seiner Analystenkonferenz, bevor am Donnerstag nach Börsenschluss Schwergewicht Intel seinen Zwischenbericht abgibt.

Besonders der Ausblick des Chip-Weltmarktführers dürfte an den Weltbörsen Wellen schlagen. Vergangene Woche gab es bereits gute Nachrichten: Der globale Chip-Umsatz ist im Oktober um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Auch eine Konferenz in Arizona, bei der von Montag bis Donnerstag hundert Tech-Firmen versammelt sind, könnte Aufschluss über den Zustand der gebeutelten Branche geben. Zu den Teilnehmern zählen unter anderem Top-Manager von Dell und Microsoft.

Jede unerwartete Bombe könnte die adventliche Feierstimmung an der Wall Street trüben. Doch abgesehen davon scheint es so gut wie garantiert, dass der Dow Jones diese Woche die 9000-Punkte-Hürde nimmt. Der Countdown läuft . . .

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