Wall-Street-Ausblick: Nichts geht mehr - DER SPIEGEL
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Wall-Street-Ausblick Nichts geht mehr

Rund um den heutigen "Memorial Day" versinkt die Wall Street ins Dösen: Die Amerikaner genießen ihren ersten Sommerurlaub. Der Optimismus der Verbraucher ist ungebrochen, doch die Börse zieht nicht mit.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Der Dow Jones steckt fest. Irgendwo zwischen 9600 und 10.600 Punkten. Nichts scheint ihn über die letzte, höhere Hürde treiben zu können: Seit Monaten folgt auf jede Rallye ein Absturz in einer ähnlichen Größenordnung. Die Anläufe können noch so euphorisch sein, über Nacht oder übers Wochenende überlegen die Anleger es sich wieder anders - und bocken.

Vergangene Woche war es wieder so: Der Dow Jones verlor 2,4 Prozent, nachdem er in der Vorwoche 4,1 Prozent zugelegt hatte. An der Nasdaq das gleiche Bild: Ein Einbruch von 4,6 Prozent nach einer 8,8-Prozent-Rallye. Warum? Gewinnmitnahmen spielen eine Rolle, ebenso die neue Welle der Terrorwarnungen. Doch der tiefere Grund liegt in der Situation der US-Wirtschaft.

Zwei Billionen Dollar Bares

"Der Dow kann auf keiner Seite ausbrechen, weil die Nachrichten weder schlecht noch gut genug sind", erklärte Barry Hyman, Analyst bei Ehrenkrantz King Nussbaum gegenüber CNN Money. So lange das so bleibt, horten die Anleger lieber ihren Cash als ihn an der Börse zu verspielen. Zwei Billionen Dollar halten sie zurück, schätzen Experten. Damit könnten sie einen schönen Bullenmarkt starten. Tun sie aber nicht. Zu vage sind die Nachrichten aus den Unternehmen, zu lang die Depression an den Aktienmärkten.

Wahrscheinlich werden sie sich auch diese Woche zurückhalten. Am Montag ist "Memorial Day", die Börse ist geschlossen. Die folgenden Tage wird das Handelsvolumen dünn sein, weil viele Amerikaner ihren ersten Sommerurlaub genießen. Allerdings könnte es leicht aufwärts gehen. "Wenn wir das Wochenende ohne Anschlag überstehen, dann werden die Märkte sich positiv entwickeln", prognostizierte Ned Riley, Fondsmanager bei State Street Global Advisers, am Freitag.

Gähnen nach Verbraucherdaten

Doch ein Freudenfest wird es kaum geben, denn erneut gibt es kaum Daten. Immerhin steht der amerikanische Verbraucher diese Woche im Mittelpunkt - und der hat bisher immer für gute Nachrichten gesorgt. Auch diesmal wird er wohl nicht enttäuschen: Am Dienstag gibt das Handelsministerium die Zahlen zu Einkommen und Ausgaben der Privathaushalte für April bekannt. Beide sind voraussichtlich gestiegen.

Am Mittwoch gibt das Conference Board seinen Index des Verbrauchervertrauens für Mai bekannt, am Freitag folgt die University of Michigan mit ihrem Index. Beide sollen leicht angestiegen sein. Da die Verbraucher für zwei Drittel der amerikanischen Wirtschaftsleistung sorgen, ist ihr ungebrochener Optimismus wichtig. Doch er wird bereits vorausgesetzt, die Börse reagiert daher kaum.

Hoffnungen für 2002 aufgegeben

Viel mehr achten die Anleger auf die Erholung der Unternehmensgewinne und ein Anziehen der Investitionen. Und hier bleiben die Botschaften gemischt. So könnte jeden Tag eine Gewinnwarnung von Oracle kommen. Die Softwarefirma hat am Freitag bereits den Termin für ihren nächsten Quartals- und Jahresendbericht bekannt gegeben (18. Juni). Oracles Geschäftsjahr endet im Mai. Beobachter interpretieren dies als Zeichen, dass es wahrscheinlich keine Gewinnwarnung geben wird. Doch eine Garantie ist das nicht, und Oracle hatte zuletzt zu kämpfen.

"Wenig Vertrauen" in die Märkte konstatiert David Wyss, Chefvolkswirt bei Standard and Poor's. Andere Experten haben ihre Hoffnungen für das Jahr bereits aufgegeben: Eigentlich sollte 2002 den zweijährigen Bärenmarkt beenden. Doch nun, nach fünf Monaten, in denen weder Dow Jones noch Nasdaq Anzeichen der Erholung zeigen, wollen die ersten Beobachter ein drittes Negativ-Jahr in Folge nicht ausschließen: Chris Wolfe, Analyst bei J.P. Morgan, etwa beziffert laut "Wall Street Journal Online" die Chancen für dieses Szenario auf 40 Prozent.

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