Wall-Street-Ausblick: Wem soll der Krieg helfen? - DER SPIEGEL
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Wall-Street-Ausblick Wem soll der Krieg helfen?

Der 11. September ist überstanden, doch die Stimmung an der Wall Street bleibt düster. Zweifel am Aufschwung und der drohende Irak-Krieg werden die Kurse auf absehbare Zeit drücken.
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New York – Die Erleichterung darüber, dass der Jahrestag der Terroranschläge vorbei ist, währte nur einen Augenblick. Jetzt konzentrieren sich die Börsianer bereits voll auf ihre nächste Sorge: Den immer wahrscheinlicher werdenden Krieg gegen Irak. Am Freitag lehnte Iraks Diktator Saddam Hussein die Rückkehr der Uno-Kontrolleure ab. Bleibt er dabei, ist der Krieg garantiert. Das hatte US-Präsident George W. Bush am Vortag vor der Uno-Vollversammlung quasi geschworen.

Ein zweiter Golfkrieg würde die Anleger einmal mehr in die Flucht schlagen, befürchten Beobachter. Der Dow Jones verlor vergangene Woche bereits 1,4 Prozent – zum dritten Mal in Folge. Der Nasdaq schloss 0,3 Prozent schwächer. Das wird sich zunächst nicht ändern. "Wir müssen auf neue Entwicklungen warten“, sagt Stanley Nabi von Credit Suisse Asset Management.

Der Ölpreis reflektiert bereits die Kriegsangst. Er nähert sich der 30-Dollar-Marke. Am Donnerstag wird die Vereinigung Öl fördernder Länder (Opec) zusammentreffen, um über eine mögliche Anhebung der Fördergrenze zu beraten. Derzeit liegt sie bei 21,7 Millionen Barrel am Tag. Die Märkte sind beunruhigt über Lieferengpässe im Fall eines Golfkriegs. Irak selbst produziert vergleichsweise geringe 2,7 Millionen Barrel, aber die Lieferwege in der gesamten Region könnten vom Krieg betroffen sein. Im schlimmsten Szenario, rechnen Ökonomen vor, könnte die US-Wirtschaft durch einen Ölpreisschock in die Rezession zurückfallen.

Dazu kommt, dass die Konjunktur- und Unternehmenszahlen zunehmend Zweifel am Aufschwung säen. "Die Aussichten verschlechtern sich stetig“, sagt William Strazullo, Analyst bei State Street Global Markets. "Wir haben einen Krieg am Horizont, und die Unternehmen sehen noch kein Anziehen der Nachfrage“.

Die anstehenden Quartalszahlen werden die Anleger voraussichtlich wieder nicht beeindrucken. Sie sind zwar besser als vor einem Jahr – bleiben aber wieder häufiger unter den Erwartungen. Vergangene Woche enttäuschten bereits Nokia, Lucent und Honeywell mit Gewinnwarnungen. Die dürften in den kommenden Wochen zum Trend werden. "Die Analysten waren viel zu optimistisch über die zweite Jahreshälfte“, sagt Joe Cooper von Thomson Financial/First Call.

Am Dienstag nach Börsenschluss veröffentlicht Oracle die Zahlen für das erste Quartal seines Geschäftsjahres. Es endete im August. Übertrifft das Schwergewicht die tief geschraubten Erwartungen, könnte das dem Markt einen Schub geben. Analysten erwarten einen Gewinn von sieben Cents pro Aktie - zwei Cents weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum. Der Gewinn wurde vor allem durch Sparen erreicht. Unter anderem hat die Software-Firma im abgelaufenen Quartal 700 Mitarbeiter entlassen. Der Umsatz hingegen ist voraussichtlich zweistellig eingebrochen. Damit wäre der Umsatz in fünf der letzten sechs Quartale zurückgegangen.

Auch die Finanzbranche leidet noch. Die anhaltende Börsen- und Fusionsflaute wird sich diese Woche in den Zahlen der Investmentbanken Morgan Stanley und Bear Sterns widerspiegeln.

Die meisten Kopfschmerzen neben dem Irak-Krieg bereiten Beobachtern die mangelnden Investitionen der Unternehmen. Am Dienstag werden sie daher genau auf den Bericht zur industriellen Produktion achten. Die Produktion soll im August leicht um 0,2 Prozent angezogen haben – der gleiche Wert wie im Juli. Doch eine nachhaltige Verbesserung ist noch nicht in Sicht.

Die US-Konjunktur sei wie ein Ruderboot, in dem nur noch auf einer Seite gerudert wird, bemerkte unlängst ein Marktbeobachter. Die Seite, die ausgefallen ist, sind die Unternehmen. Die, die noch rudert, sind die Verbraucher. Doch auch das könnte bald ein Ende haben, warnt Peter Hooper, der Chef-Volkswirt der Deutschen Bank in New York. "Der Konsum ist kräftig, aber wir erwarten einen starken Einbruch in den kommenden Monaten“, schreibt Hooper in einem düsteren Bericht.

Gleich mehrere Gründe führten zu diesem Schluss: 1. Der Effekt der Steuersenkung des vergangenen Jahres ist vorbei. 2. Das Einkommenswachstum der US-Haushalte hat sich auf drei Prozent verlangsamt. 3. Der steigende Ölpreis belastet die Portemonnaies der US-Bürger zusätzlich. 4. Die jüngsten Zahlen deuten an, dass die Arbeitslosenrate wieder steigen wird. Im Herbst wird sie die Sechs-Prozent-Marke übersteigen.

Eine Zinssenkung der Federal Reserve sei damit noch nicht vom Tisch, folgert Hooper. Sie hänge allerdings vom Resultat des Irak-Kriegs und der weiteren Entwicklung des Aufschwungs ab.

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