"Wall Street Journal" Premiere für das Schrumpfblatt
Hamburg "So groß wie ein Handtuch im Holiday Inn" so beschreibt der Blogger Peter Cohan das neue "Wall Street Journal". Begleitet von einer aufwändigen Werbekampagne erscheint die Zeitung heute zum ersten Mal im verkleinerten Format. In den gesamten USA werden knapp eine halbe Million Exemplare umsonst verteilt. Auch das Online-Angebot des WSJ ansonsten gebührenpflichtig ist heute ausnahmsweise kostenlos.
"Das neue Design macht es den Lesern einfacher, mehr Informationen in weniger Zeit zu bekommen", erklärt Gordon Crovitz, der Vizepräsident des Mutterkonzerns Dow Jones. Der Fokus soll statt auf reinen Nachrichten künftig auf einer Interpretation und Einordnung der Themen liegen. "Es geht nicht so sehr um die Dinge, die passiert sind, als vielmehr darum, was sie bedeuten", teilte der Verlag mit.
Für das schnelle Nachrichtengeschäft ist nun vor allem der Online-Auftritt des WSJ zuständig. Aktuelle Stücke der Printredaktion sollen so schnell wie möglich ins Internet gestellt werden. In der Sprache der Verlagsmanager heißt das "bessere Print-Online-Vernetzung".
Die gedruckte Ausgabe hingegen muss mit weniger Platz auskommen. Im Ergebnis bedeutet das weniger und auch kürzere Artikel. Zumal neue Rubriken wie eine ausführliche Terminvorschau hinzukommen, die ebenfalls Platz kosten. Während die Länge der Zeitungsseiten so bleibt wie bisher, wird vor allem an der Breite gespart: Eine ganze Spalte geht verloren. Ähnlich war das europäische Tochterblatt "Wall Street Journal Europe" vorgegangen, das bereits vor mehr als einem Jahr auf das kleinere Tabloid-Format umgestellt hatte.
Bei Experten kommt die neue Version durchaus an. "In der Druckfassung die Analyse und online das schnelle Geschäft das macht Sinn", sagt Journalistik-Professor Phil Meyer. Blogger Peter Cohan zeigt sich ebenfalls versöhnlich: "Ich werde das Journal auch in Zukunft lesen", verspricht er.
Wie die neue Zeitung allerdings bei ihren wichtigsten Lesern an der New Yorker Börse ankommt, steht noch nicht fest. Wegen des Staatsbegräbnisses für den verstorbenen Ex-Präsidenten Gerald Ford bleibt der Namensgeber, die Wall Street, heute geschlossen.
wal